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Ach Deutschland, deine Sänger

12.04.2018 11:01

Gestern vor 50 Jahren wurde Rudi Dutschke in Berlin von einem Neonazi niedergeschossen. Hermann L. Gremliza schrieb in konkret 1/10 über Dutschke, BILD und Biermann.   

 

Die »Bildzeitung« zitiert eines deutschen Sängers jugendlichen Klingelstreich:  

Drei Kugeln auf Rudi Dutschke  

Ein blutiges Attentat  

Wir haben genau gesehen  

Wer da geschossen hat (...)  

Die Kugel Nummer eins  

kam aus Springers Zeitungswald  

Ihr habt dem Mann die Groschen  

Auch noch dafür bezahlt  

(Wolf Biermann, 1968)  

               

Und das größte Drecksblatt der Welt fährt fort:  

War der Attentäter, der Studentenführer Rudi Dutschke 1968 niederschoß, wirklich von der »Springer-Presse verhetzt«, wie linke Apo-Kämpfer damals behaupteten? Der »Spiegel« meldet Zweifel an. Laut Stasi-Akten wurde Attentäter Josef Bachmann († 1970) vielmehr von Neonazis aufgehetzt und sogar mit Waffen versorgt! Mit seinen Nazifreunden habe Bachmann abends auf DDR-Grenzanlagen geschossen, plante gar ein Attentat auf Walter Ulbricht. Ob ihm die Nazis auch die Tatwaffe für den Dutschke-Anschlag lieferten, ist unklar. Fest steht dagegen: Nicht der Springer-Verlag und seine Zeitungen, sondern Neonazis und Ex- NPD-Funktionäre stachelten Bachmanns Haß gegen Dutschke an. Andere Berichte in den Westmedien, so eine Stasi-Notiz, zielten »offensichtlich« nur darauf ab, »von seiner neofaschistischen Grundeinstellung abzulenken«.  

 

Daß Springers antifaschistische Blätter nichts gegen DDR-Grenzanlagen, Kommunisten oder »langbehaarte Affen« wie Dutschke gehabt haben, wäre also klargestellt. Umso rätselhafter das Lied, in dem Biermann Springers Leute die Mörder seines Freundes Dutschke nennt, denn der Refrain, den die »Bildzeitung« wegläßt, ging so:  

Ach, Deutschland, deine Mörder!  

Es ist das alte Lied.  

Schon wieder Blut und Tränen,  

Was gehst du denn mit denen?  

Du weißt doch, was dir blüht.  

 

Aber das war natürlich – wie alle anderen Lieder und Gedichte, die Biermann vor seiner Abkehr vom Kommunismus geschrieben und gesungen hat (zwei Drittel seiner Werke, gesammelt in Die Drahtharfe, Mit Marx- und Engelszungen, Für meine Genossen, Das geht sein’ sozialistischen Gang und so weiter) – nach den Maßstäben, die der Sänger später als »Chef-Kulturkorrespondent« von Springers »Welt« an Schriften weniger wendiger Kollegen gelegt hat, nichts als ein verlogener Scheißdreck, den er gewiß längst vom Markt genommen hat. Hat er nicht? Nimmt Geld von Mördern und für Lügen? Gibt am Ende dem Buchversender Amazon recht mit seinem Versprechen:  

Wolf Biermann – Tiefpreisgarantie  

Eine deutsche Biographie in drei Wörtern und einem Strich. Ach Deutschland, deine Sänger!

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