Aktuelles

aboprämie 7-17

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Aus aktuellem Anlass

Eine never ending Butterfahrt

19.06.2017 11:30

Zu Helmut Kohl fiel auch das Wort Hottes - in Literatur-konkret 1984 . 


 

Warum fühlt sich der Bismarcknachfolger Kohl  

In seiner Kanzlerhaut so wohl?  

Wie kommt es, daß er im Kabinett so keß  

Bonhommlert wie Onkel Lou beim Rheumadeckenkongress?  

Warum sitzet er die Krisen und die Graus  

Feucht grinsend wie ein frisch gepamperter Säugling aus?  

Warum ist das Regieren für den Pälzer Smart  

Eine never ending Butterfahrt?  

Da kann es vor Frust in der Fraktion kalt werden wie am Pol  

Es gluckert gliglaglücklich die Wärmflasche Kohl  

Da kann der Oppositionscicero Vogel im Plenum schmettern: Herr Bundeskanzler, soo nicht!  

Den ficht das nicht an, geschweige daß er dran zerbricht  

Und kreisen im Morgenrot überm Kanzleramt Myriaden von Spottdrosseln mit apokalyptischem BIRRNE!BIRRNE-Geschrei  

Der Kanzler löffelt ruhiger Seele Frau Webers Frühstücksei  

Und kläfft zur Mittagsstunde die deutsche Linksintellektuelle: Kohl, hähä, very little Licht!  

Der Kanzler runzelt weder Braue noch verzieht er das Gesicht  

Sondern er sitzt gut zulangend mit dem Rücken zur Wand  

Beim Menü im Bundestagsrestaurant  

Und nähert sich zur Tagesschauzeit tückisch der baierische Hagen  

Der Kanzler schlotzt sein Viertel Kallstädter zum Schwartenmagen  

Und wollen ihn auch aushebeln Rotfront, Antichrist und der vulgären Mißgunst üble Fäule  

Es wackelt keinen Millimeter die aus echtem BASF-Naturholzersatz gedrechselte staatsplafondtragende Säule  

Den Spott verlachend verspottet der Kanzler den Hohn  

Dies aber hat zur Ursach: Seine solide Primärsozialisation  

Wie oft hat man das: Papa Trinker, Mama aufm Strich  

Daraus entsproßner Kinder Karriere reicht vielleicht zum anarcho-grünen Rotations-Fürchterlich  

Aber nie und nimmer zur Nutzen-mehrenden Nummer eins im Staat, in unserm, diesem  

Da braucht es schon einen in Geborgenheit aufgewachsenen Riesen Wie diesen  

Unsern guten »Schwarzen Mann von Oggersheim«  

Aaahh, wie das klingt, Oggersheim, da ist expressis verbis Heimat drin, und Heim  

Wohllaut und Wärme, der Mutter Schürzenzipfel und des Vaters liebevollstrenge Hand  

Und über allem flattert, oh extra-uterine Nabelschnur! - das familiale Band  

Wie es war, wie der Kanzler noch klein (ei ei wo isser denn kuk kuk ei dei dei) gewesen  

Das ist just zur Buchmesse in einem Bändchen bei ECON nachzulesen  

Das Stück heißt schlicht MEIN ELTERNHAUS  

(oder: Ein mächtiger Mann läßt noch mal den kleinen Buben raus)  

Kohls Oggers-Heim begann bereits  

Mit dem »Großvater mütterlicherseits«  

Der war ein relativ hohes Vieh  

Der war nämlich »Volksschullehrer« und »stammte aus einer Lehrerdynastie«  

Der baute »als Haupt einer Vierkinderfamilie«  

»Das auf Zuwachs berechnete Haus« und »im Garten Kartoffeln, Gemüse und Küchenkräuter«, zum Beispiel Petersilie  

Der war »gewissenhaft, ernst, fleißig und fromm«  

Und »spielte die Orgel« im Oggersheimer Dom  

Und »dirigierte den Kirchenchor«  

(Leider kam der Geburt Enkel Helmuts Opa Josefs Tod zuvor)  

»Vater Hans Kohl stammte aus einer bäuerlichen Dreizehnkinderfamilie«  

Und heiratete ein in Haus, Garten und Petersilie  

Und war »im Ersten Weltkrieg« nicht etwa Jäger, sondern unter Chancenwahrung  

Des »Überlebens als Oberleutnant« - »Sammler«, und zwar von »Fronterfahrung«  

Und war in dem Weimarer Wirren so mancher Sonntag auch verregnet  

»Die Ehe war mit drei Kindern gesegnet«  

Und wie man anno '30 den Brüning zum Notverwalter bestellt  

Da erblickte der kleine Helmut das Licht der Welt  

Und schränkte man sich auch ein und übte Verzicht  

»Es reichte Freitags für Schellfisch und Sonntags für den Braten« und man darbte auch werktags nicht  

Und kam über Deutschland auch die Hitlerei  

Der Kanzler erinnert sich des Oggers-Heims in idyllischem Detail  

Auf Mutters Wäscheleine hing keine schwarze Hose der Hitlerjugend  

Und »Weihnachten duftete es nach Zitronat und zerlassener Butter« und nach christlicher Tugend  

Und fuhr Papa mit dem Fahrrad ins Amt, die Hosen geklammert, um sie nicht an der Kette zu beschmieren  

So radelte der »passionierte Kaninchenzüchter« Helmut kilometerweit, »um eine Häsin einem besonders prämierten Rammler zuzuführen«  

Und mit zwölf bekämpfte der kleine Kanzler »im Schülerlöschtrupp« alliiertes Schadenfeuer »mit primitivem Gerät« aber »großem Elan«  

Und Mutter Kohl »rief je nach Bedarf und Zuständigkeit die Heiligen an«  

Und wie der Bub pflichteifrig sein Fahrrad geputzt  

Hat der Bub auch gewiß nit das Laken beschmutzt  

Und war zum Schluß ganz Deutschland von den Braunen bekackt  

Des kleinen Kanzlers »Elternhaus blieb intakt«  

Und warum? Es klingt alles andere als idiotisch:  

Da lebte man nämlich »katholisch, liberal und patriotisch«  

Und wird »heute problematisiert, psychologisiert und im Übermaß analysiert«  

Damals, im Oggers-Heim, hat man sich anders aufgeführt  

Man wetzte nicht herum an eingebildeten Scharten  

Sondern »half der Mutter in der Küche, dem Vater im Garten«  

Und dort wuchs die Petersilie und keine linken Phrasen  

Und es wurde »vorgelebt, wie sich Pflichtbewußtsein und Fröhlichkeit des Herzens vereinbaren lassen«  

Und weils dort nach guten Taten ging, nicht nach spitzfindigen Worten  

Ist der kleine Kanzler so groß und stark geworden  

Und darum fühlt sich der Bismarcknachfolger Kohl  

In seiner Kanzlerhaut so wohl  

Und regiert seine Gegner an die Wand  

Im schönen Oggersheimer Land

 

 

Zurück

Ins Archiv

Ins Archiv der konkret-News geht es hier entlang.