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Mit Gegenwind, aber ohne Hafenkante

04.09.2017 16:32

Fritz Tietz berichtet über die Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt 2017

Sechs Mann und eine Frau stark war das Teilnehmerinnenfeld, das am Freitag, dem 25. August, in Hamburg zur dreitägigen Krückentour der diesjährigen Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt startete. Damit kann für die weltweit einzige Radfahrt, die dem Andenken eines 2013 verstorbenen konkret-Kolumnisten gewidmet ist, erneut ein Teilnahmerekord verbucht werden. Und um es gleich vorweg zu sagen: alle Mann (Ralf Hartmann, Klaus Henning, Arthur Hofhuis, Hans-Jürgen Ohr, Gerd von Overstraeten, Fritz Tietz) und auch die Frau (Marion Pollmanns) erreichten am drauffolgenden Sonntag nach rund 340 Kilometern gegen 16 Uhr mehr oder weniger geschafft von den Strapazen der Strecke die Stadtgrenze von Berlin. Das obligatorische Gruppenfoto unterm Ortseingangsschild kam dieses Mal nicht zustande, weil ein paar Teilnehmer nicht wollten.

 

 

So stark die erste Etappe bis Hitzacker-Tießau noch von einem gesegneten Nordwest unterstützt ward, so arg blies der Wind am zweiten Tag aus Ost, und damit den Radlern direkt ins Gesicht. Insbesondere auf den weiten Deich- und Durststrecken zwischen Dömitz und Cumlosen halfen selbst riskanteste Windschattenfahrten wenig.

 

 

Zwei der Gedenkradler zogen es daher vernünftigerweise vor, ab Bahnhof Wittenberge die verbleibenden 60 von 132 Tageskilometern im Regionalexpress zu absolvieren. Der Rest des Pelotons aber trat wacker weiter mittem Rad gegen den nicht mal zum Abend hin abflauenden Böen an und erreichte gegen 20 Uhr den Havelberger Ortsteil Garz.

 

 

Am dritten Tag aber schob der Wind wieder von hinten, und das mit solchem Karacho, dass den Gedenklern der knappe Hunderter bis Spandau nicht nur wie ein Klacks erschien, sondern auch noch genügend Zeit blieb, am Adidas-Outlet-Center von Wustermark die von Beinahteilnehmer Ulrich Jahnke direkt an die Strecke gereichte und überdies sehr wohl geratene Linsensuppe (an zwei Knackersorten!) mit Genuss auszulöffeln.

 

 

Ansonsten ließen die äußeren Bedingungen dieser Tour nichts zu wünschen übrig. Nur die Verpflegungssituation in Havelberg-Garz muss deutlich bemäkelt werden, weil der Wirt der Hafenkante, einzige Speisegaststätte am Ort, sich trotz rechtzeitiger Vorwarnung ("Da kommen noch welche, die Hunger haben!") außerstande sah, den Radlern was aufzutischen. Eine Situation, die doch sehr an die Speisenverweigerungen erinnerten, wie sie Horst Tomayer bei seiner ersten Transitradfahrt 1977 in einigen DDR-Restaurants aushalten musste. Waren es damals polizeiliche Repressionen, die die Ostwirte vorgaben zu fürchten, schien es jetzt die an sich unbegreifliche Angst vor mehr Umsatz zu sein. Man hätte ja die Etappe besser planen können, hielt der garzige Wirt den Hungrigen entgegen und weigerte sich beharrlich, die Küche noch einmal anzuwerfen. Zum Glück wurden eine Straßenecke weiter gerade ein paar Bratwürste auf einen Holzkohlegrill gelegt und die Radler von der privaten Runde herzlich eingeladen. Dumm nur für die Vegetarier im Teilnehmerfeld. Sie mussten sich mit Weißbrot und Bier behelfen.

 

 

Ungeachtet solcher Betrüblichkeiten wird die vierte aller Horst-Tomayer-Gedenkradfahrten in die Tourgeschichte eingehen: und zwar als die erste, die mit einem Pedelec bestritten wurde. Sein Fahrer darf deshalb auf immer den Ehrentitel "Der Elektrische" führen. Indes wurde von Teilnehmer Klaus vorgeschlagen, dass ab nächstem Jahr jedes Fortbewegungsgerät an den Start gehen kann: "Auch Seifenkisten, Harley Davidsons und Mopeds." Außerdem regte er an, dass auf künftigen Touren "jeder Teilnehmer seine Mitteilnehmenden nur maximal 17,5 km am Stück von seiner ideologischen Grundüberzeugung agitieren darf. Anschließend muss er schweigend ins Hauptfeld zurückfallen."

Die fünfte Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt findet am letzten August-Wochenende 2018 statt.

 

 

Text: Fritz Tietz

Fotos: Klaus Henning und Fritz Tietz

 

 

 

 

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