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Voice of Germany

10.05.2017 13:50

Xavier Naidoo ist „The Voice of Germany“: Aus seinen Liedern sprechen Homophobie und Antisemitismus im pathetisch jaulenden Tonfall der verfolgenden Unschuld.  Wer im Januar 2016 konkret gelesen hat, den konnte seine neue antisemitische Reichbürgerhymne „Marionetten“ nicht überraschen.

 

Singen und Tanzen können die Tucken ja, aber richtige Patrioten sind sie nicht. Das legte Arno Frank im »Spiegel« nahe, als er der (mittlerweile ad acta gelegten) Idee des NDR, den homophoben Verschwörungstheoretiker Xavier Naidoo zum Songcontest zu schicken, mit folgender Argumentation applaudierte: »Anderswo mag der ESC eine patriotische Angelegenheit sein, hierzulande ist er ein eher queeres Spektakel.« Jan Feddersen, »Taz«-Redakteur »für besondere Aufgaben«, pflichtete bei: Der ESC sei ein »schwules Event«, weswegen es eine besonders gute Idee sei, dort einen Schwulenhasser im Namen Deutschlands auftreten zu lassen, denn das hätte den »Pop als Differenzkonstrukt« belebt. Sicher konnten sich manche ein Grinsen nicht verkneifen bei dem Gedanken, den ESC-Homos einen echten Kerl zu schicken, der so überzeugend heterosexuell ist, dass er nicht anders kann, als Schwule mit Kindesmissbrauchern gleichzusetzen und in einem Song anzudrohen, ihnen die »Klöten zu zerquetschen«, »Arme und Beine abzuschneiden«, sie »in den Arsch zu ficken« und sie schließlich, nach ausgedehnter Folter, »zu töten« zur Strafe dafür, »die Möse nicht zu lieben«.

Solcherlei Folter- und Mordphantasien, wie sie im Wandschrank unterdrückter Sexualität zu entstehen pflegen, begleitet Naidoo mit dem jammervollen Ruf nach »starken Männern« und »Führern«. Der Plastiksoulsänger verwendet auch gerne die antisemitische Verballhornung »Baron Totschild« und wähnt Deutschland ein besetztes Land. Das ist für Herbert Grönemeyer, der mit einer Rolle im Wehrmachtsentlastungsfilm »Das Boot« den Sprung zum deutschen Superstar geschafft hat, »nicht rechts«, sondern »christlich freidenkerisch«. Til Schweiger, die erstarrte Fratze des Volksempfindens, ortete im Widerstand gegen Naidoos ESC-Auftritt wenige Tage, nachdem andere religiöse Homophobe in Paris 130 Menschen abgeschlachtet hatten, »Terrorismus«. Verblödungsgeschäftsfreunde wie Atze Schröder und Michael Mittermeier reihten sich in die »Menschen für Xavier Naidoo« (so der Titel einer ganzseitigen Anzeige in der »FAZ«) ein. Der Initiator der Anzeige, der jüdische Konzertveranstalter Marek Lieberberg, distanzierte sich allerdings von Naidoo, als der kurz drauf seinen neuen Song »Nie wieder Krieg« mit der Zeile »Muslime tragen den neuen Judenstern« exklusiv auf Jürgen Todenhöfers Facebook-Seite veröffentlichte.

Die Wortmeldungen der Naidoo-Verteidigungsliga lassen sich ohne große Zuspitzung so zusammenfassen: »Die Homos und Gutmenschen sollen sich nicht so haben, denn privat ist der Xavier ein ganz Lieber, der sogar manchmal Schwule streichelt und noch keinen Juden eigenhändig erschlagen hat.«

Bernhard Torsch

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