Aktuelles

aboprämie

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Postnekrolog

Die »Frankfurter Allgemeine« sagt, sie sei eine »Zeitung für Deutschland«. Sie will sagen, sie sei die Zeitung für Deutschland. Wer oder was ist Deutschland? Der Staat und also, wie seine Priester sagen: wir alle? Nun ist aber die Zeitung eine Zeitung, die im Wirtschaftsteil beharrlich »weniger Staat« verlangt, und so sind »wir alle«, mit Otto zu witzeln, eher »vier alle«, die wenigen nützlichen Glieder der Gesellschaft, die »Elite«, die »klugen Köpfe«. Es sind deren Wünsche und Interessen, welche die »Zeitung für Deutschland « ermittelt und in meinungsstarken Nachrichten und meldungsschwachen Kommentaren propagiert, um die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung zu machen.

Wer das weiß, liest die »FAZ« mit Gewinn, der Spekulant mit materiellem, der Kritiker mit ideellem. Marx hätte sie abonniert. Sie teilt mit, was die Bourgeoisie alles will und zwar sofort, und auch, worüber sie noch mit sich ringt: Wie man die überseeischen Gebiete am besten auspresst oder sich die neuen Nazis nutzbar macht. Und ganz frankfurterisch-allgemein: Ob eine gewisse Liberalität nicht manchmal bessere Dienste tut als schwarze Pädagogik.

Männer machen Geschichten, und die der »Frankfurter Allgemeinen« hat zwanzig Jahre lang, von 1994, als er einer der fünf Herausgeber wurde, bis zu seinem Tod 2014, der Frank Schirrmacher gemacht. Der in konkret bei Amtsantritt als »promovierter Pimpf« Begrüßte bewies eine Findigkeit und Wendigkeit, die ihn zum Primus des Blattes machte. Die Redakteure nannten ihn bald nur noch »der Herausgeber«. Er suchte und fand Kontakt zu den diversen Szenen, machte hoch die Tür, die Tore weit für allerlei Diskurse, schrieb zu jeder Sau, die durchs Dorf getrieben wurde, das brandaktuelle Buch (über den demografischen Wandel, über informationelle Selbstbestimmung, über Demokratiefähigkeit von Staaten etcetera) und tingelte damit durch die Talkshows, zu denen einen der anderen Herausgeber einzuladen keinem Gastgeber in den Sinn gekommen wäre.

Wie sehr er das Blatt belüftet, ja für Gegner und Verächter lesbar gemacht hat,ist seit seinem Tod anno 2014 immer deutlicher spürbar, da die Herausgeber 2. Klasse, vorneweg der Berthold Kohler, seit 1999 Nachfolger des alten Ustaschen Johann Georg Reißmüller, die Stunde gekommen sahen, mit dem irrlichternden Schirrimicki Schluss zu machen. Es war zugleich die Stunde der für Innen-, Rechts- und Außenpolitik verantwortlichen Redakteure Jasper von Altenbockum, Reinhard Müller und Klaus-Dieter Frankenberger, deren dumpfdeutsche Propaganda in Leitartikeln und Glossen dem Blatt heute seinen Hautgout geben. Ein Beispiel nur:

Die Verfechter der klassischen Ehe haben es offenbar akzeptiert, sich in eine Nische zurückziehen zu müssen, in der nur hinter vorgehaltener Hand über die erstaunlich weitverbreitete Tradition geredet wird, dass Mann und Frau dazugehören, ein Kind zu zeugen. Geht es nach dem sogenannten Gender-Mainstreaming, also nach der offiziellen Richtschnur von Universitäten, Ministerien und wohl bald der Schulen, ist auch das, die Berufung auf die Natur, schon ein Zeichen latenter Homophobie.

Auch in Deutschland geht es deshalb in Richtung Irland ... Die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften wird schrittweise so weit ausgedehnt, dass am Ende niemand mehr weiß, worin eigentlich noch der rechtliche Unterschied zur Ehe besteht. Der Akt der »Befreiung « liegt dann darin, das allzumenschlich Ungleiche im Namen von Gerechtigkeit und Toleranz einfach für gleich zu erklären.

Solch heute stilbildenden homophoben Altenbocksgesang hätte »der Herausgeber«, der auch mal bei zivilisierten Leuten zu Tisch gebeten sein wollte, denn doch nicht durchgehen lassen. 

Zurück