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Nationaldrüsenfieber

»Würden Sie jeden Abend drei Doughnuts essen?«, fragt der britische Gesundheitsdienst NHS die Adressaten einer Anzeigenkampagne, die er damit nicht etwa zum Abnehmen, sondern zu besonnenem Alkoholkonsum motivieren will, denn: »Eine Flasche Wein hat genauso viele Kalorien wie drei Doughnuts.« Dahinter steckt wohl die Erkenntnis, dass man Menschen erst gar nicht mit rationalen Argumenten (Abhängigkeit, Leberschäden, mit Brummschädel neben Unbekannten aufwachen) zu kommen braucht, sie dafür aber umso besser auf Schlüsselreize anspringen, die mehr oder weniger buchstäblich auf den Bauch abzielen.

So auch in der Debatte über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Bis auf die verbliebenen drei deutschen Kommunisten interessiert es niemanden, dass die Verlierer des gepriesenen Mehr an Wettbewerb wie immer die Lohnabhängigen sein werden; und dass Unternehmen Staaten wegen kapitalfeindlicher Gesetze vor überstaatlichen Schiedsgerichten verklagen können sollen, empört  bestenfalls noch ein paar Idealisten, die sich einfach nicht mit der alternativlosen Postdemokratie abfinden wollen.

Was hingegen in schönster Vorhersagbarkeit zu öffentlicher Aufregung führt, ist der kombinierte Appell an Magen und Nationaldrüse. Musste im vergangenen Jahr noch die drohende Invasion der US-Chlorhühnchen als Argument der TTIP-Gegner herhalten, ist es nun die Sorge um Schwarzwälder Schinken und andere Regionalmarken. Dem Deutschen als solchem bekommt der Billigsupermarktschinken nämlich nur, wenn das Schwein mit einheimischen – mindestens aber europäischen – Hormonen und Antibiotika gemästet wurde und sich wenigstens zum Räuchern mal im Schwarzwald aufgehalten hat. Schweine aus Kentucky hingegen enthalten womöglich sogar Gene!

Aber bitte keine überzogene Panik: Der Drang von US-Unternehmen, den deutschen Markt mit »Spezialitäten« à la Thüringer Rotwurst und Hessischer Handkäs zu überschwemmen, dürfte ähnlich hoch sein wie das Interesse von Dr. Oetker an der Produktion chinesischer Tausendjähriger Eier. Und nicht zuletzt der Dresdner Christstollen™ dürfte dank der unermüdlichen Imagearbeit der Markenschützer von Pegida auf absehbare Zeit vor einer feindlichen Übernahme sicher sein.

Svenna Triebler

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