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Der Betrieb trauert um eine seiner umtriebigsten Nudeln. Der »Süddeutschen Zeitung« ist einer der »flamboyantesten Feuilletonisten der Nachkriegsjahrzehnte« abhanden gekommen, »der eine öffentlich zelebrierte Existenz zwischen Marxismus und Lebenskünstlertum führte«, woran immerhin wahr ist, dass Raddatz in einem gut abgeschriebenen Buch die drei Bände des Kapital durch die außereheliche Verbindung des Autors mit seinem Hausmädchen widerlegt hat. Die »FAZ« überraschte mit der Enthüllung, dass das Schicksal uns schon früh zwei Schläge auf einmal hätte ersparen können, weil ihr jüngst verstorbener Herausgeber Frank Schirrmacher »immer wieder betont hat, dass er niemals Journalist geworden wäre ohne das Erlebnis Fritz J. Raddatz. Ohne diesen Brausekopf, diesen Themenfinder, Menschenentdecker. « Theo Sommer nannte den dereinst mit seiner Hilfe von der »Zeit« Gegangenen nacheinander »Genie, Geck und Galan, Paradiesvogel, Polemiker und Provokateur, ein Mann der Manieren und der Manieriertheiten «, in der »Welt« fabulierte ein anderer, Raddatz sei »einer der wenigen umfassend Gebildeten und Interessierten unter den deutschen Literaturmenschen« gewesen, wovon der Verstorbene, der alles kannte und nichts wusste, in seinem letzten Fernsehinterview eine letzte Probe gab: »Marcel Reich-Ranicki hat einmal gesagt: Das Alter ist ein Massaker.« Zu welchen Worten der ebenfalls umfassend gebildete Regisseur eine Szene aus einem Film über Reich-Ranicki einblendete, der das nicht gesagt, sondern bestenfalls zitiert hatte – aus Philip Roths Jedermann, in dem es heißt: »Das Alter ist kein Kampf; das Alter ist ein Massaker.«

- Michael Schilling -

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