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Parlamentarischer Kretinismus

Morgen kommt der Weihnachtsmann,

kommt mit seinen Gaben.

Trommel, Pfeife und Gewehr,

Fahn und Säbel und noch mehr,

ja ein ganzes Kriegesheer,

möcht’ ich gerne haben.«

Hoffmann von Fallersleben,

Dichter von »Deutschland, Deutschland, über alles«

 

Jan van Aken ist ein ehrenwerter Mann. Schon als Student der Biologie in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert, wurde er später Experte für Gentechnik bei Greenpeace International und Biowaffeninspekteur der Vereinten Nationen, schließlich Mitglied des Bundestags, außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, Mitglied des Verteidigungsausschusses, ein Anwalt der Umwelt und des Friedens comme il faut.

Und nun heißt es, dass das Gewehr, mit dem die Bundeswehr 160.000fach bestückt ist, bei höheren Temperaturen den Feind nicht mit hinreichend tödlicher Präzision trifft. Ob das so ist oder nur dem Hersteller, der Mordwerkzeugfabrik Heckler & Koch, ein Geschäft mit todsicheren 160.000 Mordwerkzeugen verschafft werden soll, wird sich noch weisen.

Was tut ein Anwalt des Friedens in diesem Fall? Der Anwalt des Friedens Jan van Aken tut dies: Er erklärt, dass »wir bei fast allen Rüstungsskandalen das gleiche Bild sehen: Schlechtes Material wird teuer eingekauft, verantwortlich ist am Ende niemand, zahlen muss der Steuerzahler.« Obwohl »das Ministerium über die katastrophalen Leistungen des G36« informiert worden sei, habe es zwei Tage später noch über 3.000 G36-Sturmgewehre bestellt. Auch bei Ursula von der Leyen habe es »wieder ein Jahr gedauert, bis sie jetzt endlich reagiert hat«. Akens Resümee:

Wir haben eine lange Liste von Fragen und Forderungen nach Akteneinsicht. In den nächsten Tagen werden wir sehen, ob von der Leyen auch dann eine große Aufklärerin ist, wenn es um ihre eigenen Fehler und nicht nur um die ihrer Vorgänger geht.

Der Fall des Friedensfreundes van Aken ist seit 1852 dokumentiert und analysiert als »jene eigentümliche Krankheit, die seit 1848 auf dem Kontinent grassiert hat, der parlamentarische Kretinismus, der die Angesteckten in eine eingebildete Welt festbannt und ihnen allen Sinn, alle Erinnerung, alles Verständnis für die rauhe Außenwelt raubt«. Soweit Karl Marx im 18. Brumaire des Louis Bonaparte. Und so sein Leser Erich Mühsam 1920:

Die ganze revolutionäre Rückständigkeit des deutschen Proletariats ist allein auf den parlamentarischen Kretinismus zurückzuführen, in dem ehrgeizige, unwissende und in bourgeoiser Ideologie verkommene Führer es hielten, bis es von keiner anderen Waffe mehr wusste als vom Stimmzettel, bis es den Nachttopf, in den es alle fünf Jahre ein vorgedrucktes Papier legen durfte, wie einen Fetisch anbetete, bis es zugunsten seiner gewählten und mit jeder Vollmacht ausgestatteten »Vertreter « auf den Rest eigenen Denkens, eigenen Entschließens, ja eigenen Empfindens verzichtete, bis es, »Heil dir im Siegerkranz« und die »Wacht am Rhein« grölend, blindlings und fatalistisch in den Weltkrieg hineinstolperte.

Auch unter den Klängen der sogenannten »Arbeitermarseillaise«, die Mühsam zitierte:

Das freie Wahlrecht ist das Zei-hei-chen, / in dem wir siegen, nun wohlan! / nicht predigen wir Hass den Reichen, / nur gleiches Recht für je-he-dermann, / nur gleiches Rä-hächt für je-he-dermann!

Jan van Aken ist ein ehrenwerter Mann. Was soll so einer tun, der jahrelang den ganzen Tag und die halbe Nacht in Ausschüssen, Kneipen und Studios zwischen, neben, vor und hinter Röttgen, Will, Oppermann, Göring, Jauch und Gysi sitzt? Sich denen nicht als seriöser, nicht als zwar anders, aber doch im Rahmen ihres gesunden Menschenverstandes denkender Je-he-dermann zu präsentieren, wäre zuviel verlangt. Er muss, so will es die menschliche Natur, einen guten Eindruck machen, das Lob eines Kriegstreibers (»ein linker, doch ein guter Mann«) als Lob verstehen statt als Makel. Und so wirkt er daran mit, die Bundeswehr für ihre nächsten Kriege im heißen Süden mit einem Gewehr auszurüsten, das den feindlichen Kanaken sauber ins Herz oder zwischen die Augen trifft. Hermann L. Gremliza

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