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Abu Ghraib in Hannover? Das Foto weckt Assoziationen: Ein junger Mann liegt, die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt, in hilfloser Abwehrhaltung verrenkt am Boden eines weiß gekachelten Raums. Ein Handyfoto aus der Draufsicht, am linken Bildrand sind die Stiefel einer weiteren Person erkennbar, der Fotograf war nicht allein mit seinem Opfer. Ort des Geschehens: die Bundespolizeistation am Hauptbahnhof von Hannover. Der Fotograf: ein 39jähriger Beamter der Bundespolizei. Er verschickt das Foto mit dem Kommentar: »Das ist ein Marokkaner. Den habe ich weiß bekommen. XY (der Vorgesetzte) hat gesagt, dass er ihn oben gehört hat, dass er gequikt hat, wie ein Schwein. Dann hat der Bastard erst mal den Rest gammeliges Schweinefleisch aus dem Kühlschrank gefressen. vom Boden.« Der NDR, der die Sache an die Öffentlichkeit bringt, merkt an: »Rechtschreib- und Grammatikfehler aus dem Original übernommen.«

Das Foto stammt vom 25. September 2014. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte der Bundespolizist gegenüber seinen Kollegen über WhatsApp geprahlt: »Hab den weggeschlagen. Nen Afghanen. Mit Einreiseverbot. Hab dem meine Finger in die Nase gesteckt. Und gewürgt. War witzig. Und an den Fußfesseln durch die Wache geschliffen. Das war so schön. Gequikt wie ein Schwein. Das war ein Geschenk von Allah.«

Dass jetzt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen den Beamten der Bundespolizei ermittelt, liegt allerdings allein daran, dass er auch seinen Kollegen »witzig« kam. Einem soll er im August 2013 die Dienstwaffe an die Schläfe gehalten und ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Der und ein weiterer Kollege erstatteten nun Anzeige. Es folgte eine kurze Welle der Empörung, von »Bild« bis zur niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Dabei weiß jeder, der hin und wieder Zug fährt oder auch nur einen Bahnhof betritt: Die Bundespolizei, 2005 von Otto Schily aus der Taufe gehoben, ist darauf getrimmt, undeutsche Subjekte herauszufiltern und zu drangsalieren. Die »verdachtsunabhängige Kontrolle«, im Bundespolizeigesetz verankert, ist de facto sehr wohl vom Verdacht abhängig, und der lautet: Da kann eine Person keinen Ariernachweis vorlegen.

2004, als die amerikanischen Folterknechte von Abu Ghraib aufflogen, versprach George W. Bush, Abu Ghraib werde abgerissen. Das ist bis heute nicht passiert. Doch immerhin, es war ein unmissverständliches Eingeständnis. Wollte der Bundesinnenminister das Niveau von Bush erreichen, er müsste den Abriss des Hauptbahnhofs von Hannover in Aussicht stellen.

Florian Sendtner

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