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Pegida, AfD und Co. Jörg Kronauer über das Buch Der Aufstand des Abendlandes


Wäre Hans-Olaf Henkel ein Einzelfall, könnte man sich die Arbeit sparen. Henkel, Ex-IBM-Manager, Ex-BDI-Chef, ein prominenter Mann der Wirtschaft, ist unter die Vereinsgründer gegangen. Und das nicht erst jetzt, sondern bereits vor Jahren: 2003 gehörte er zu den Initiatoren des »Konvents für Deutschland«, eines von Roland Berger, der Linde AG, der Deutschen Bahn und anderen getragenen Vereins, der unter dem Stichwort »Reform der Reformfähigkeit« den Umbau der Bundesrepublik nach Maßgabe der Interessen seiner Träger fördert. Der Konvent klagt schon lange über den verkrusteten »Parteienstaat«, und vielleicht war diese »Verkrustung« ja auch der Grund dafür, dass sein Initiator Henkel schließlich der FDP den Rücken kehrte, es zunächst mit den Freien Wählern versuchte und dann auf die AfD setzte.

Henkel ist nun aber kein Einzelfall. Heinrich Weiss, SMS Siemag-Aufsichtsratsvorsitzender und einer von Henkels Vorgängern im BDI-Chefsessel, hat sich am 24. Januar 2015 ebenfalls als AfD-Unterstützer einen Namen gemacht, als er bei der Gründung des AfD-Mittelstandsforums schimpfte: »Linke Ideologen toben sich aus wie zu Apo-Zeiten.« Damals hatten die Pegida-Demos mit ihrem Hass auf alles Linke gerade ihren Zenit erreicht; manchen in der AfD galten sie als natürliche Verbündete. Und während zahlreiche Unternehmer das AfD-Mittelstandsforum gründeten, trieben sich andere kleine Mittelständler bei Pegida herum, um mehr Geld für »Leistungsträger « statt für Migranten zu fordern.

Es läuft zur Zeit nicht gut für die AfD: Henkel und andere aus dem Establishment haben sie jüngst verlassen, da sie sich als nicht mehr steuerbar erwiesen hat. Auch Pegida hat die besten Tage bereits hinter sich. Zeit also, in aller Ruhe zu fragen, was denn da eigentlich los war, als Ex-BDI-Chefs ihre Interessen in einer neuen Rechtspartei realisieren wollten und Großdemonstrationen, angetrieben von einer Agitation aus Politik und Medien gegen Flüchtlinge, quasi als »Straßenabteilung« eines Projekts zu wirken schienen, »in dessen Nervenzentrum die AfD sitzt«, wie Phillip Becher, Christian Begass und Josef Kraft schreiben. Selbst wenn die AfD sich nicht halten kann: Sie ist stärker aus der Wirtschaft unterstützt worden als jede andere deutsche Rechtspartei. Wachsende Teile des Establishments sind also wohl bereit, auf eine rechte Alternative zu setzen. Wer beobachten will, was sich da tut, findet bei Becher, Begass und Kraft viel hilfreiches Material.

Jörg Kronauer

Phillip Becher/Christian Begass/Josef Kraft: Der Aufstand des Abendlandes. AfD, Pegida & Co.: Vom Salon auf die Straße. Papyrossa, Köln 2015, 130 Seiten, 11,90 Euro

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