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Eine Nachricht in allen Medien: Die Linkspartei bekommt zwei Vorsitzende, die Sahra Wagenknecht »vom linken Flügel« und den »Reformer« Dietmar Bartsch. Es ist die Meldung vom letzten Ende einer 150jährigen Sozialgeschichte.

An deren Beginn, den Anfängen der Arbeiterbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts, stand die Wahl zwischen Revolution und Reform, zwischen Marx und Engels auf der einen Seite, Lassalle und den Kolping-Brüdern auf der andern, die den Proleten für einen Verzicht auf Umsturz der herrschenden Verhältnisse eine Besserung ihrer Verhältnisse durch die Herrschenden versprachen. Reformen eben. Die Entscheidung fiel zu deren Gunsten. Und so waren, von Bismarcks Sozialversicherung bis zur Kanzlerschaft von Willy Brandt, Reformen, ohne dass es einer Betonung bedurft hätte, gleichbedeutend mit einer geringen, aber spürbaren Beteiligung der Ausgebeuteten am Profit ihrer Ausbeuter.

Das war die Lage bis zur Kapitulation des Roten Oktober und seiner Verwalter. Mit dem Aus der Revolution verschwand die Notwendigkeit, dem Proletariat mit seiner Arbeitskraft auch seinen Kampfgeist abzukaufen. Ein Jahrhundert lang hatte die Sozialdemokratie, die »Agentur der Bourgeoisie in der Arbeiterklasse« (Lenin), die Proleten in den westlichen Industriestaaten kastriert, so dass die Herrschenden von jetzt auf gleich hinlangen konnten, wie sie wollten.

Es war wiederum die Sozialdemokratie, im Verein mit den grünen Bürgerkindern, der das Wort Reform zu schön klang, um es wegzuwerfen, anstatt es wie den anderen Müll durch Recycling zu veredeln. Und schon nach wenigen Jahren war es soweit: Alle wollten nur noch Reformen. Die Aktionäre, ihre Politiker, ihre Journalisten standen Schlange danach wie Bürger der DDR einst nach Bananen. Die Proleten, die Armen, Alten, Kranken hier und überall auf der Welt mussten lernen, dass Reform heute nichts ist als ein euphemistisches Synonym für die Zumutung eines schlechteren, ärmeren und kürzeren Lebens. Die Wagenknechte sind in den Bartsch gekniffen.

Fußnote: Es irrt, wer meint, es solle dem Dietmar Bartsch Opportunismus attestiert werden. Ganz im Gegenteil: Er war schon unter Gorbatschow ein großer Reformer. Seine Dissertation an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften Moskau galt bereits 1990 den »Verteilungsverhältnissen unter den Bedingungen einer Intensivierung der sozialistischen Wirtschaft«.

 

 

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