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Michael Schilling über den Rassismus deutscher Fußballfans

Es war im Altonaer Volksparkstadion, wo von der Haupttribüne der HSV-Spieler Jimmy Hartwig, Sohn eines afroamerikanischen Soldaten und einer Offenbacherin, mit dem Wurf von Bananenschalen und der Imitation von Affenlauten verhöhnt worden war, dass der Verfasser dieser Zeilen beschloss, dem »Nie wieder Faschismus«, »Nie wieder Krieg« ein Nie wieder deutsches Fußballstadion anzufügen.

Neu war solche Erfahrung mit Nazi-Fans zwar nicht, schon 1954 hatten Zehntausende Volksgenossen in Bern nach dem Sieg über Ungarn ihr »Deutschland, Deutschland über alles« gegrölt, das ihrem Kanzler Schröder noch 2003 bei dem Film »Das Wunder von Bern« den Rotz völkischer Rührung vom Kinn tropfen ließ, dafür aber ein zuverlässiger Indikator kommender Events: diverser »Sommermärchen« und ihrer rassistischen Folklore (»So geht der Gaucho, der Gaucho, der geht so«) oder des »BVB-Hurensöhne« johlenden Schweinsteigers, dem der heutige Chefredakteur von Springers »Welt« dafür dankbar in die Poscharte gekrochen war: »Käme der Fußball unter die Fuchtel der Moralprediger, es wäre ein weiterer Verlust für eine authentische, unmittelbare sprachliche Selbstvermittlung. Insofern grölt Schweini für uns mit.«

Jüngst haben Hunderte Nazi-Hools sich dem Verdacht ausgesetzt, sie könnten lesen, und sich authentisch unmittelbar selbst vermittelt. »Hurensohn, Hurensohn!«, brüllten sie einem deutschen Spieler zu – und das dazu passende »Sieg Heil!« den Tschechen, in deren Hauptstadt Prag sie auftraten wie Schröders und Fischers Soldateska bei ihrer Rückkehr nach Jugoslawien oder Marieluise Beck in Moskau und Kiew. Joachim Löw aber konnte zeigen, wie gut sogar er deutsche Gedenkkultur gelernt hat: »Ich bin voller Wut über das, was passiert ist. Dass einige sogenannte Fans die Bühne des Fußballs benutzen, um mit ihrem oberpeinlichen Auftreten viel Schande über unser Land zu bringen.« Ich, ich, ich bin das Opfer, mein, mein, mein Deutschland erleidet Schande, schuld sind Sogenannte und Peinliche, mit denen ich und mein nichts zu tun haben. So kommt man als nationaler Übungsleiter erst heim ins Reich und in der Nachspielzeit reich ins Heim.

Michael Schilling

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