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Dichter ran!

konkret dokumentiert zum Jubiläum Auszüge aus Texten von Literaten aus 60 Jahren konkret: von Achternbusch über de Beauvoir bis Kant in konkret 11/17 und von Kroetz über Nandi bis Zwerenz in konkret 12/17. Textauszüge zahlreicher weiterer Literaten, die in der Auswahl im Heft nicht vorkommen, präsentieren wir hier:

 

Ihr mich auch!

Ihr seid entweder ein paar Jahre zu früh oder ein paar Jahre zu spät oder am falschen Ort geboren. Na logo. Das behaupten die Naseweise jeder Generation von sich. Bloß dass es nicht stimmt. Bei euch und mir schon gar nicht. Wir sind goldrichtig geboren. Zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Wir sind so goldrichtig geboren, dass wahrscheinlich neun Zehntel der Menschheit gerne mit uns tauschen würden. Unsere Eltern würden gerne mit uns tauschen, unsere Kinder ebenfalls und die Mexikaner und Inder sowieso.

Matthias Altenburg (Schriftsteller-Pseudonym Jan Seghers; konkret 5/89)  

 

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Menschenrecht für Deutsche

Wir wollen keinen neuen Totalitarismus weder Hitlerscher noch Ulbrichtscher oder Francoscher Prägung. Wir sehen die Wiedervereinigung Deutschlands als einen wichtigen Schritt zur Erhaltung des Weltfriedens und zur Sicherung der Menschenrechte für alle Deutschen.

Stefan Andres (konkret 8/61)

 

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Bewegter Mann

Der ganz neue deutsche Film präsentiert sich als Komödienlandschaft … Eine auf diesen Wahrnehmungen aufgebaute, sagen wir, nationale Filmbetrachtung führt 1996 in der Tat erstaunlich tief in den Blutkreislauf dieses Landes. Quer durch die Generationen erscheinen uns nämlich auch heute als die wesentlichen Motivationen deutschen Handelns jene, die schon das Jahrhundert bestimmt haben: Verharmlosung, Idealisierung, Vernichtung.  

Immerhin gibt es jetzt Schwule im deutschen Kino – arme Gesellen allesamt freilich, die ohne unser Mitleid nicht überleben könnten.

Max Annas (konkret 11/96)

 

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Mief des Filzes

Da kennt - das weiß jeder - jeder jeden in den Redaktionsstuben, in den Preisverleihungsgremien, bei den Dichtertreffen, in den Verlags- und Rundfunkhäusern: »Besprichst du mein Buch gut, dann besprech ich deines gut, oder lass es gut besprechen.« … Die Welt ist eng. Und im Filz ist es miefig warm … Wer abends am Biertisch mit jemandem gescherzt und gelacht hat, mag morgens am Schreibtisch nicht vernichtend zuschlagen, entweder, weil er korrupt ist und die Folgen fürchtet, oder weil er gehemmt ist, denn nett ist so etwas ja nicht.

Silvia Bovenschen (literatur konkret 1985)  

 

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Das Empire schlägt zurück  

Der Unterschied zwischen einer Mallorca-Ferienbräune und einem Geburtsort Karatschi kann der zwischen einer harmlosen Metalldetektorkontrolle und einer gummibehandschuhten analen Untersuchung sein. Vor kurzem wurde mein sechzehnjähriger Neffe – er ist hellhäutig, blond, blauäugig, und in seinen Adern zirkulieren drei Liter weißes australisches Qualitätsblut, verdünnt mit einem Liter asiatischem Blut – in einem internationalen Flughafen einer intensiven Leibesvisitation unterzogen, weil seine bescheuerten Eltern ihm einen muslimischen Namen gegeben haben!

Layla Dawson (Layla Shah; konkret 11/05)

 

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Verdammt Unzucht  

Um der Keuschheit willen leben viele Mönche entsetzlich. Sie wälzen sich nackt in Ameisenhaufen, wie Macarius, oder in Dornen, wie Benedikt … Sie sehen, wie Symeon der Säulenheilige, zeitlebens die eigne Mutter nicht an und werfen nach Frauen mit Steinen. Sie binden sich schwere Eisen um den Penis, so dass sie den Eunuchen ähnlich werden. Sie leben jahrelang eingemauert, jahrzehntelang auf Säulen, fressen lebenslang nur Gras, das sie wie Vieh vom Boden abweiden. Sie stellen sich dauernd verrückt - und nicht wenige sind es. Doch noch im 20. Jahrhundert feiern Theologen all dies als »Heroismus«, »Heiligkeit«, »vertieftere Formen religiösen Bewusstseins«, Produkt einer »herrlichen Blüte der Einwirkung des Heiligen Geistes« etc.

Karlheinz Deschner (sexualität konkret 1980)

 

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Tamagotchi

Das Elektrohuhn ist von Grund auf böse; es lauert seit Tausenden von Jahren im All auf die Weltherrschaft. Erst schickte es seine irdischen und gefiederten Mutanten zum Eierlegen, als Fricassee-Material und zum Gackern unter die Menschenkinder, die sich's wohl gefallen ließen …, bald wollten sogar viele Menschen werden wie sie. »Gackgackgack!« übten sie den ganzen Tag, und schließlich gewöhnten wir uns alle daran und nannten es Fernsehen.

Susanne Fischer (konkret 8/97)


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Dein Wort gehört mir

Grundsätzlich ist mir als Autor fast gleichgültig, auf welche Weise die Gesellschaft mich daran hindert, Knut Hamsuns Hunger am eigenen Leib nachzuempfinden … 80 Prozent der Verlage, mit denen ich bisher als Autor zu tun hatte, haben in der einen oder anderen Weise meine Urheberrechte missachtet. Von unabgesprochenen Textänderungen im Druck über krass verspätete / fehlerhafte / ausbleibende Abrechnungen bis hin zur Weiterverbreitung meiner Bücher trotz verbrieftem Rechterückfall an mich war da alles dabei.

Marcus Hammerschmitt (konkret 7/16)


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Dichter und Heldengesänge  

Soll man Einsichten, Abneigung gegen plebejische Ballungen, Illusionslosigkeit … als Flucht werten? Ist der Dichter, der in heißen Zeiten keine politischen Pamphlete verfasst, keine tabula rasa betreibt, sich nicht um einen Ministerstuhl reißt, ein Schurke und Volksfeind? Wird da nicht das Amt des Dichters verkannt? durch seine lynkeischen Fähigkeiten Formen und Gehalte zu vermitteln. je leiser, desto deutlicher die Stimme. Oder täusch ich mich. Jeder Dichter ist ein politischer Dichter, nicht jeder ein Politdichter.  

Kerstin Hensel (literatur konkret 1990)

 

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Gut genug für Siemens?

Bei Agfa in München habe ich nicht geantwortet, wann die letzte Periode war, nicht beantwortet, ob ich schwanger bin. Also war ich für die schwanger und wurde nicht eingestellt. Ich bin zu beteiligt, um zu sagen ob es diese Fragen sind, die mich so betreffen, dass ich außer mir bin. Ihre Pfoten sind es mit Sicherheit. Der Arzt, gekauft zur Selektion von Arbeiterinnen und Arbeitern, fragt ab: Ist in Ihrer Familie einer geisteskrank? Lungenkrank? Haben Sie schwere Operationen gehabt? Gibt es Krebs in der Familie? Luft pusten in ein Gerät. Zähne ausleuchten mit der Taschenlampe. Ein Sklavenmarkt! … Eine Arbeiterin, die AEG oder ein anderer Konzern krank gemacht, verschlissen hat, wird bei Siemens nicht mehr eingestellt.

Marianne Herzog (konkret 4/76)

 

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25 Jahre Grundgesetz

Das sind fünfundzwanzig Jahre, in denen die Erkenntnis der ersten Stunde nach der Befreiung vom Nationalsozialismus nicht realisiert worden ist. Eine Erkenntnis, die da lautete: Erst dann ist der Faschismus endgültig überwunden, wenn die kapitalistische Gesellschaftsordnung, auf deren Fundament er sich entfaltete, überwunden worden ist.

Walter Jens (konkret 10/74)

 

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Vorwärts und alles vergessen?  

Die Alternative für die, die am Projekt des Sozialismus festhalten, ist seit je heillos, aber ohne den Glanz des Heroischen und Tragischen. Sie findet sich allerdings als Movens von Dramen wieder – so in Bertolt Brechts Die Maßnahme oder in Heiner Müllers Mauser. Im Zentrum dieser Stücke stehen nicht nur Ziel-Mittel-Konflikte, in die revolutionäres Handeln seit je verstrickt ist, sondern ein kaum erträgliches moralisches Dilemma in lebensgeschichtlicher Dimension: Angesichts der gegebenen Machtverhältnisse kann das Menschheitsziel nur in der Aufgabe der Identität derer erreicht werden, die sich ihm verschrieben haben.

Martin Jürgens (konkret 3/15)

 

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Aufruf zu Gewalt?

Exemplarisch scheint mir das Bewusstsein, dass man sich gegen die Gewalt der Herrschenden, gegen den Terror der Macht nur mit Gewalt wirksam wehren kann. Die deutsche Bevölkerung von 1933 hatte in ihrer Mehrheit dieses Bewusstsein nicht - dass sie es bis heute nicht hat, ermutigt unsere Rechten bereits wieder zu Lobgesängen auf die chilenische Junta und zu Trauer-Nekrologen auf Franco.

Yaak Karsunke (konkret 1/77)  

 

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Das Dritte Reich existiert noch ...

... nur nicht, wie es das Karlsruher Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung, die den zwischen der BRD und der DDR 1974 abgeschlossenen Grundlagenvertrag seiner völkerrechtlichen Wirksamkeit berauben will, »verfügt«, in den Grenzen von 1937, sondern in der Begrenzung, die endgültig eben in dem Grundlagenvertrag 1974 für die BRD festgelegt ist.

Friedrich Karl Kaul (konkret 6/81)

 

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Schach mit Schweinen

Eine Journalistin, die das, was einem Brüderle aus dem Mund fällt, erst scheußlich findet, wenn es tendenziell persönlich beleidigend wird, hört ihm offenbar nicht besonders gut zu. Sie ist also nicht die allerbeste Journalistin der Welt. Auch die schlechteste ist freilich nicht dazu da, dass so ein Geschöpf sich an ihr die Finger abwischt. Dass irgendwer überhaupt glaubt oder sagt, irgendwelche Menschen seien zu irgend etwas da, ist für halbwegs Wache stets das Warnsignal, das darauf hindeutet, dass Unterdrückung, Ausbeutung und Ausgrenzung stattfinden oder geplant werden.  

Barbara Kirchner (konkret 3/13)

 

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Sieg der Praxis

Beckett schrieb in seinem Leben Tausende von Seiten, nach deren Lektüre sich Millionen von Lesern bis heute wochenlang Gedanken über Sinn und Unsinn des eigenen Mittagsschlafs machen. Das Leben meiner Großmutter hingegen bestand zwar überwiegend aus Mittagsschläfchen, wurde aber nicht öffentlichkeitswirksam, weil sie niemanden in ihre Wohnung ließ, um nicht im Mittagsschlaf gestört zu werden.  

Andererseits ist Beckett seit dem 22. Dezember 1989 tot. Meine Großmutter hingegen lebt noch, und zwar mittlerweile in einem Altenheim, wo sie längere Mittagsschläfchen hält als jemals zuvor. Sollte uns das zu denken geben? Ist das vielleicht sogar der Sieg der Praxis über literarische Theorie?  

Knud Kohr (konkret 5/96)

 

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Heute unbelastet

Alle Versuche, die beweisen sollen, dass die Deutschen keineswegs von kollektiven Zwangsvorstellungen besessen sind, bezeugen zumeist nur deren Existenz.

Carsten Otte (konkret 3/96)

 

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Panik Panther

Udo, Liebling, viele finden Deine Arbeit prima. Ich auch. Ich möchte Dich nur ein bisschen mutiger sehen und interessierter an anderem als Deinem Umsatz … Seit einem Jahr willst Du Texte von mir. Seit dem letzten Sommer haben wir deshalb dauernd miteinander zu tun, kabbeln uns lautstark über Rüstung, Frauen, Freiheitsbegriffe. Über die Pflicht, auf Befehl zu töten und zu sterben. Du findest das richtig. Ich nicht. Weil Du bei jedem deutlichen Satz Angst hast, Deine Teenies zu schocken, das heißt: Popularität = Geld einzubüßen.

Peggy Parnass (an Udo Lindenberg; konkret 4/76)

 

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Goethe-Tours

Ich war schon immer ein großer Freund dieses Reiseunternehmens für tamponschwingende Performancetöpfer und kritische Legastheniker. Da sind sie wenigstens weg. Wir haben unsere Ruhe, und das liebe Ausland ruft »Igitt!«. …. Die Goethe-Institute machen akzeptierende Sozialarbeit pur. Naziskins schickt man ja auch um den Globus, damit sie hinterher wenigstens ungefähr wissen, aus welchen Ländern die Untermenschen stammen, die sie begeistert zusammentreten.   

Michael Rudolf (konkret 9/01)

 

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Männliche Mitmenschen

Sie versuchen uns zu beweisen, dass wir überhaupt ganz falsche Theorien haben … Sie pochen darauf, dass auch sie unterdrückt sind ... Hilflos sind wir, weil wir von progressiven Männern eigentlich erwarten, dass sie die Brisanz unseres Konfliktes einsehen ... Warum sprecht ihr hier vom Klassenkampf und zu Hause von Orgasmusschwierigkeiten? Ist das kein Thema für den SDS?

Helke Sander (konkret 12/68)

 

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Einsicht

Man mag über die jüngsten ZK-Beschlüsse der KPdSU denken, was man will, den Biermann in den Himmel heben oder die italienischen Genossen für die liebsten halten, eines sollte davon unberührt bleiben: die Einsicht, dass es der ganzen fortschrittlichen Bewegung unseres Landes zugutekommt, wenn in ihr die DKP an Kraft, an Sympathie und Genossen gewinnt.  

Peter Schütt (konkret 12/76)

 

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Grüße aus Fukushima

Haben die Menschen Angst vor der kollabierten Anlage? Ja, sagt Herr Wakamatsu, große Angst. Nicht mal Tepco weiß, was da los ist und was da noch kommt. Die Anlage ist wie ein Gespenst. Bedrohlich, omnipräsent, aber unsichtbar. Und die Grenzwertkorrekturen der Regierung haben sich nach und nach zu einem fürchterlichen Glaubwürdigkeitsdesaster ausgewachsen. Die Leute hoffen, sind aber auf das Schlimmste gefasst .. Ein Fotograf moniert, dass es sehr schwer sei, heute noch Motive in Minamisoma zu finden, die den Super-GAU veranschaulichen könnten.

Nis-Momme Stockmann (konkret 4/12)  

 

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Große Antwort

Der Versuch, große Fragen mit großen Worten zu beantworten, ist noch nie so richtig gelungen.

Renée Zucker (literatur konkret 1988)

 

 

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