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Der Messias

Eine erlösende Begegnung im Zug.

Von Dirk Braunstein

Im übervollen Regionalexpress durchs heillose Ruhrgebiet gerumpelt, im Gang vor den Türen ein mehr oder weniger junges Pärchen ortstypischen Äußeres, bei sich führend einen Kinderwagen, in dem der Sohn sitzt, ein Jahr wird er alt sein, vielleicht anderthalb, und Fritten aus einer kleinen McDonald’s-Papiertüte mampft. Die Eltern, zwei Prolos, unterhalten sich über Entsprechendes, der Junge schiebt sich derweil, vergnügt lautierend, wohlgemut eine Stange nach der anderen in die Schnute, bis er, offenkundig seiner allzu wiederholten Handlung überdrüssig – womöglich stellt sich gar ein Gefühl der Sattheit ein –, nach Aufmerksamkeit verlangt: Er wird lauter, schnatterhafter auch, Dringlichkeit mischt sich in seine Artikulation.

Der Vater wendet sich nun, seine Braut steht hold dabei und erschaut’s mit Wohlgefallen, dem Kinde zu, streicht ihm mit grober Hand übers noch gelockte Haar und spricht, ganz Liebe und Verständnis, in vernehmbarem und zugleich grundgütigem Ton: »Tu schön Pommes essen!«

Wenn wirklich dereinst der Messias zu uns kommen wird, er müsste wohl, schon um sich zu erkennen zu geben, exakt diese Worte äußern, die materiell darbende wie sinnverlassene Menschheit zu erlösen.

Dirk Braunstein


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