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Haltet den Nazi!

Wie das rechtsextreme Buch Finis Germania zum »Sachbuch des Monats« wurde.

Von Bernhard Torsch

Deutschland ist, wo man sich überrascht gibt, wenn ein Rechtsextremist Rechtsextremes schreibt und wenn Redaktionen, die diesem Rechtsextremisten, der außerdem die deutsche Bundesregierung beraten hatte, bis über das Grab hinaus treu zur Seite standen, eines seiner Büchlein in die von NDR und »Süddeutscher Zeitung« veröffentlichte Bestenliste »Sachbücher des Monats« aufnehmen und wärmstens zur Lektüre empfehlen. So geschehen mit dem posthum erschienenen Bändchen des durch eigene Hand verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle, das in Götz Kubitscheks braunem Antaios-Verlag erschienen ist, die frohe Botschaft Finis Germania im Titel trägt und in dem der Ernst-Nolte-Schüler unter anderem den Holocaust zum »Mythos« erklärt und die Opfer der Shoah als »ominöse sechs Millionen« bezeichnet.

In der Jury für das »Sachbuch des Monats« sitzen Redakteure von »Spiegel«, »Süddeutscher Zeitung«, »Frankfurter Allgemeine«, »Welt« und noch ein paar staatstragender Medienhäuser mehr. Nachdem Sieferle sich umgebracht hatte, erschienen äußerst wohlwollende Nachrufe in einigen dieser Zeitungen. Die »Süddeutsche« würdigte ihn als »Zivilisationskritiker« und hatte damit mehr recht, als ihr selbst bewusst war, denn wie der »unerschrockene, immer rationale Denker« (»SZ«) tickte und was er von der Zivilisation hielt, in der selbst Rockmusik hörende, Fußball guckende, T-Shirts tragende Proleten rudimentäre Menschenrechte genießen, konnte man zum Beispiel in seinem vorletzten Buch Die Migrationskrise nachlesen. Sieferles ganzer Hass galt dem »Pöbel« und einer Kultur, die »explizit krumm, falsch, verdreht, also links« sei. Die »FAZ« lobte den Rechtsextremisten in ihrem Nekrolog folgerichtig als »poetischen Freigeist«.

Die »Süddeutsche« zog sich jetzt aus der Redaktion für das »Sachbuch des Monats« zurück und fragt, wie die »FAZ« und andere mediale Stützen dieser ehrenwerten Gesellschaft, wie es der »Spiegel«-Kollege Johannes Saltzwedel wagen konnte, ihnen Finis Germania sozusagen unterzujubeln. Die Antwort werden sie nicht hören wollen: weil er immer brav »Süddeutsche« und »FAZ« gelesen hat.
                 
Bernhard Torsch

 

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