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Irgendwas

Elke Wittich über Eltern, die auf Smartphones starren

 Ein Leben als Bundesdrogenbeauftragte dürfte nicht eben unterhaltsam sein: Tag für Tag vor den immergleichen Rauschmitteln warnen, während die Bevölkerung nicht zuhören will, sondern sich fröhlich die Kante gibt.

 Vielleicht war Marlene Mortler, aktuell Bundesdrogenbeauftragte, der Trott zu langweilig geworden, schließlich hatte sie zuvor als Sprecherin der CDU/CSU-Bundesfraktion für Tourismus sicher aufregende Zeiten erlebt. Vielleicht war ihr auch nur danach, den eigenen Geschäftsbereich auszudehnen, oder sie hatte sich geärgert, dass eines ihrer fünf Enkelkinder gestillt wurde, während seine Mutter mit dem Smartphone online war und der DKP beitrat – man weiß es nicht.

Jedenfalls gab Mortler vor einiger Zeit eine Studie in Auftrag. Kinderärzte sollten Eltern und Kinder über ihre Smartphone-Nutzung befragen. Das Ergebnis, beziehungsweise seine Interpretation, fiel zum Glück für Mortler so aus, wie sie sich das erhofft haben wird: Handys sind schuld an zappeligen Kinder, unruhigen Babys und hyperaktiven Schülern.

Nun könnte man einwenden, dass vor wenigen Jahrzehnten noch das Fernsehen an nicht engelsgleich braven Säuglingen und Kiddies schuld war, und davor waren es Illustrierte und Bücher, die Eltern und größere Kinder jeweils interessanter fanden als einander, aber nun ist halt das Internet an allem schuld. Und, so ist der Lauf der Dinge, in 50 oder 100 Jahren wird es irgendwas sein, das wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Dieses Irgendwas wird dann zunächst gefeiert werden, weil es mindestens für Weltfrieden plus bessere Pornos sorgen wird, und dann, wenn beides ausgeblieben ist, wird ein großes Geschrei darüber anheben, dass es die Jugend verdirbt. Dann wird allgemein hin- und herdiskutiert, und wenn man damit fertig ist, kommt das nächste Irgendwas. So haben die Leute immer was zu tun.

Aberaberaber ist es nicht wirklich schrecklich, wenn Eltern lieber auf ihre Smartphones starren, statt sich mit ihren Kindern zu beschäftigen? Ja, schön ist das nicht. Aber Leute, die ihre Kinder dauervernachlässsigen, würden ganz sicher keine liebevollen Väter und Mütter, die dauernd spannende Sachen mit den Kleinen unternehmen, wenn es plötzlich kein Internet mehr gäbe. Dann würden sie halt fernsehen. Oder Illustrierte lesen. Aber für Mortler wäre das sicher auch ganz in Ordnung, würde sie halt darüber eine Studie in Auftrag geben.                                 

Elke Wittich

 

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