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von konkret

Wo immer ein Chauvi etwas gegen Frauen unternehmen will, holt er sich – vom Herd oder aus dem Kinderzimmer, wohin er Frauen gern verbannt sähe – als Kronzeugin eine Frau. Nicht anders die Antisemiten, die sich Juden und Jüdinnen suchen, damit die die Drecksarbeit für sie machen. Rudolf Augstein, Herausgeber des »Spiegel« und »ein gepflegter Salon-Antisemit« (Broder), hielt sich zu diesem Zweck seinen Schulfreund Uri Avnery, und wenn er später jüdisches Gedenken an den Holocaust als »Shoah-Business« verspottet sehen wollte, hatte er dafür inzwischen seinen Angestellten Broder. Seit einigen Jahren bevorzugen die Hardcore-Antisemiten rund um die DKP und die »Junge Welt« für solche Arbeiten den Moshe Zuckermann, der ihnen so schöne Sachen aufschreibt wie diese: 
 
Es handelt sich um eine Konstellation von »Antisemiten-Jägern«, wie sie sich selbst gern apostrophieren
,

 Wer tut das? Wir kennen keinen. Egal, wo gelogen wird, fallen Späne.

 die mit dem real existierenden Antisemitismus nicht sehr viel zu schaffen haben, sich dafür aber umso gründlicher aufs Jagen spezialisiert haben. Da wäre zunächst die sogenannte Israel-Lobby, bestehend aus Vertretern der jüdischen Gemeinden in Deutschland … Da wären die Reste der Randerscheinung der sogenannten »Antideutschen«,
Zuckermann meint: konkret ,

 einer ehemaligen linken deutschen Bewegung, die es heute mittlerweile in Sachen überbordender Israel-Liebe und -Solidarität mit jedem israelischen Faschisten aufnehmen kann.

 Der Redner, vor 15 Jahren in Zweierlei Israel? Auskünfte eines marxistischen Juden ( konkret texte 34) ein beachtlicher Kritiker des Zionismus, ist inzwischen einer der nützlichen Idioten der nationalistischen wie der sozialistischen deutschen Antisemiten. 

Was in  konkret 3/17 in Gremlizas Kolumne »Letzte Ausfahrt Weißes Haus – Über ein Präsident gewordenes Abschreibungsmodell« zu lesen war, wird manche Leserin, mancher Leser für den Beitrag zu einer Verschwörungstheorie gehalten haben: Trump, hieß es dort, habe in seiner Karriere »Pleite an Pleite« gereiht und aus Furcht, »dass sein Geschäftsmodell auffliegt: Geld zu machen, indem er Banken, Fonds und andere Profitmaschinen an den Verlustvorträgen seiner Klitschen beteiligt, … nur einen Ausweg« gesehen: »die Wahl zum Präsidenten der USA. Kein Gläubiger würde das Weiße Haus pfänden lassen.«

 Drei Monate später: Die demokratischen US-Senatoren verlangen in einem Schreiben an den Vorstand der Deutschen Bank Aufklärung über deren Kredite an den »Milliardär«. Der Kongress werde »darüber im unklaren gelassen, ob Kredite der Deutschen Bank an Präsident Trump von der russischen Regierung garantiert wurden oder ob sie in Verbindung zu Russland standen«. Die Wahrheit dürfte wohl jenseits der russistischen Obsessionen der US-Demokraten die sein, dass Trumps Gläubiger ihren Schuldner unauffällig über den nächsten Zahltag brachten, indem sie für ihn Kredite bei der Deutschen Bank besorgten, für deren Garantie sie eine russische Bank als Strohmann engagierten.

Es fehlt in diesem Heft ein Beitrag über den wiedergefundenen »Hoffnungsträger« (nicht zu verwechseln mit Sockenhalter) der FDP, Christian Lindner. Ein Griff zu Heft 7/15 schafft Remedur. Dort hatte Ralf Schröder in »Bambi auf Mondfahrt« beschrieben, wie der Mann »mit Hilfe neu abgemixter Ressentiments aus dem deutschen Kulturerbe die FDP aufpäppeln« will. Für die wenigen »User«, die weder das Heft aufbewahrt haben noch die konkret-CD besitzen, ist Schröders fulminantes Lindner-Porträt auf der  konkret-Seite im Internet nachzulesen. Vergnügen garantiert. Kleine Probe:

 Lindner spricht die Deutschen als Schicksalsgemeinschaft an. Selbst wenn er die »Freiheit des Einzelnen« beschwört, bimmelt im Hintergrund das Gemeinwohlglöckchen. Liberale, sagt Lindner, »sind nämlich nicht für Banken, Liberale sind nicht für Business, Liberale sind für Menschen in Märkten« … Lindner erzählt gerne, man habe den eigenen »Markenkern wieder freigelegt«. Der kommt nicht zufällig daher wie das große Näheversprechen der täglichen Realitysoaps: »Uns geht es nicht zuerst um den Staat, um soziale Klassen oder große gesellschaftliche Gruppen. Es geht uns um den einzelnen Menschen.« Soziale Gerechtigkeit ist in diesem Kosmos Gleichmacherei, Lindner plädiert statt dessen für »Fairness« und landet damit zielgenau und explizit bei Gerhard Schröders altem Witz vom »Fordern und Fördern« – noch heute kann man sich das brüllende Gelächter vorstellen, das die Urheber dieses verlogenen Refrains überkam, als der zum ersten Mal auf dem Computermonitor in der Erfindergarage aufleuchtete.

Bericht des Kolumnisten der »Stuttgarter Nachrichten«, Joe Bauer, vom 10. Juni:

 Am Freitagabend im Theaterhaus »Das Wort Hottes« besucht – eine Hommage mit großartig vorgetragenen Texten und geschickt eingespielten Bildern an Horst Tomayer, den 2013 verstorbenen Dichter, Satiriker, Komödianten. Eine Perle, gut gemachte, gescheite Unterhaltung. Shows, die so lustig und berührend, skurril und worterfinderisch sind, erlebt man selten. Ein leises Spektakel des politischen Scharfsinns. Ein Hoch auf Marit Hofmann, Christoph Hofrichter, Fritz Tietz – und den großen, unersetzlichen Tomayer irgendwo da oben im Rennradsattel, ganz sicher nicht auf der Milchstraße!


(Foto: Michael Müncheberg)

Die »drei Chronöre Horst Tomayers« (»Brandenburger Woche«) gehen weiter – auch im Jahr 2018 anlässlich Tomayers 80. Geburtstags und fünften Todestags – mit ihrem Programm auf Tournee. Interessierte Veranstalter melden sich bitte bei der konkret-Redaktion (Tel. 040-851 25 30; redaktion@konkret-magazin.de).

 Die dreitägige Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt von Hamburg nach Berlin startet am Freitag, den 25. August, gegen 9 Uhr am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Wer mit möchte, bitte zeitig zusagen! Mehr Informationen in der Facebook-Gruppe »Die Horst-Tomayer-Gedenkfahrt«, der öffentlichen Facebook-Veranstaltung »HorstTomayer-Gedenkradfahrt 2017« oder per E-Mail an die Redaktion.

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