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Kollateralschaden

Im Mai infizierte die Schadsoftware Wanna Cry schätzungsweise 250.000 Windows-Rechner in aller Welt. Betroffen waren Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie englische Krankenhäuser, die Deutsche Bahn, brasilianische Steuerbehörden, auch die AKW-Ruine Tschernobyl. Wanna Cry verschlüsselte Dateien auf der Festplatte. Für eine Überweisung von 300 US-Dollar in Bitcoins wurde die Wiederherstellung der Daten versprochen. Vernünftigerweise glaubte das nur eine kleine Minderheit der Opfer, die Erpresser bekamen nur lumpige 130.000 Dollar.

Wanna Cry beruht auf Software, die von der National Security Agency (NSA) entwickelt wurde. Dummerweise kam dem Geheimdienst die »Cyberwaffe« abhanden, und nun kann sie sich jede/r mit ein wenig technischer Expertise und ein wenig mehr Geld besorgen. Die »New York Times« sah bereits das Ende der asymmetrischen Cyberkriegführung: »Den größten Gegnern der US-Regierung – Nordkorea, Iran, Extremisten – fehlten bislang die Fähigkeiten oder digitalen Werkzeuge, um großen Schaden anzurichten … Jetzt gibt es Akteure wie Nordkorea und Teile des Islamischen Staats, die über NSA-Software verfügen und denen wirtschaftliche und andere Beziehungen egal sind.«

Mit martialischer Rhetorik schwadronieren sogenannte Sicherheitspolitiker über Cyberkrieg und warnen vor dem IT-Super-GAU, nicht zuletzt, um ihre eigenen Möglichkeiten zum Überwachen und Zensieren auszubauen. Das Cyberkommando der Bundeswehr soll »offensive Fähigkeiten« bekommen, will sagen: in der Lage sein, Computersysteme in Feindesland lahmzulegen, worunter übrigens die Zivilbevölkerung am meisten zu leiden haben würde. Die staatlichen Maßnahmen auf dem Schlachtfeld Internet beruhen notwendigerweise auf Schwachstellen in der Software. Der Bundesnachrichtendienst gibt Millionen aus für den Aufkauf solcher Exploits. Die Regierungen Europas und Amerikas haben die IT-Unternehmen gezwungen, Hintertüren in Software und Hardware einzubauen, um im Zweifelsfall auf jedes Endgerät zugreifen zu können. Wie wahrscheinlich war es eigentlich, dass nur »Sicherheitsbeamte« (Thomas de Mazière) von ihnen Gebrauch machen würden? Eben.

Treffend hat der Verein »InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung« die Wanna Cry-Pandemie als »Kollateralschaden im Cyberkrieg« bezeichnet. Dass das Internet kaputt ist, beklagen Netzaktivisten schon lange. Nun wird es nachgerade gefährlich.

Matthias Becker

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