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von konkret

Ein Leser beschwert sich anlässlich der Glosse »Petry heil!« aus dem Januar-Heft:

Man kann Höcke als gefährlichen, rechtspopulistischen Pseudointellektuellen bezeichnen. Aber er ist kein Nazi. Warum muss konkret immer wieder dem ohnehin schon inflationären Gebrauch solcher Begriffe das Wortreden?

Dr. Christian Rother

Wer oder was ist ein Nazi? Ein Mitglied der NSDAP? 1932 hatte die 1,2 Millionen Mitglieder, als sie ein Jahr an der Macht war, 3,9 Millionen, im Mai 1945 nur knapp acht Millionen, weil die alten Kameraden viele Bewerberabgewiesen hatten. Im Juni 1945 gab es kein NSDAP-Mitglied mehr und darum, nach dieser Lesart, auch keinen Nazi. Anders verhält es sich, wenn man als Nazi nicht nur Volksgenossen mit Parteibuch zählt, sondern alle, die dem Führer zugejubelt haben und dessen politische Obsessionen – Stolz aufs deutsche Volk, Hass auf Juden, Kommunisten, Schwule, Fremde – ganz oder summa summarum teilen. Viele wollen von 1933 bis 1945 nie Nazis gewesen sein – sie standen halt da und hätten auch anders gekonnt, wenn ihnen dafür was geboten worden wäre. Sie haben anders gekonnt, als man ihnen ein »Wirtschaftswunder« bot, mit Buttercremetorte und Volkswagen, ja, für vier Quadratmeter Sandstrand in Rimini haben sie auch auf einen zweiten Ausflug nach Sant’-Anna di Stazzema verzichtet.

Warum soll man die vielen christlichen, sozialen, freien, alternativen oder ökologischen Demokraten, die schon morgen wieder anders könnten, nicht Nazis nennen? Weil es zu teuer wird. Nur deshalb muss auch konkret sich auf die Fälle beschränken, in denen vielleicht sogar die deutsche Justiz das treffende Wort passieren ließe wie das Kölner Landgericht einen Emmenthaler Faschisten. Wenn der Höcke kein Nazi ist, sind wir freilich fein raus, denn dann gibt es in Deutschland keinen Nazi, hat es nie einen gegeben und wird es keinen geben. Hitler? Ein vielleicht etwas zu besorgter Bürger. Kein Nazi ist besagter Hartkäse, der im Oktober vergangenen Jahres auf Platz 17 der Liste der völkischen SVP kandidierte und von 178.090 Schweizern auf den ersten Platz gewählt wurde. Für Roger Köppel geworben hatte auch der sozialistische Globalisierungskritiker Jean Ziegler: Auf den bürgerlichen Parlamentssitzen machten sich schon genügend »Söldner, Handlanger, Verwaltungsrätebreit«, Köppel, mit dem er vor Jahren einmal in einem spanischen Lokal über die Französische Revolution, Karl Marx und Sartre diskutiert habe, stehe hingegen »für geistige Unabhängigkeit, Lust an der Debatte sowie persönliche Kultur und Bildung. Mit ihm hätten die Sozialisten im Parlament endlich wieder einen Gegner, mit dem es sich zu streiten lohne.« Fort mit Schaden.

Das gilt nun freilich auch für Sahra Wagenknecht, von Peter Hacks vor 20 Jahren in einem Brief an konkret noch als »unsere neue Rosa Luxemburg« empfohlen, die sich als Teil der völkischen Querfront von Gerhard Schröder bis Markus Söder und Björn Höcke geoutet hat mit deren Lieblingssatz: »Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht eben auch verwirkt.«

 

Über Martin Jürgens’ kürzlich erschienene Auswahl seiner konkret-Serie neue hieroglyphen in Buchform, Frau Merkel sieht auf ihrem Schuh ein Streifenhörnchen, das sich putzt (Neofelis), schreibt die »Frankfurter Rundschau« am 12. Januar: »Kein Bild ist neutral, ein jedes ist eine Bearbeitung der Welt. Bilder konstruieren die Ansichten der Welt, sie sind Weltanschauungsmaterial, ob nun Obama vor Rembrandts ›Nachtwache‹ pompös erscheint oder die Kanzlerin total unvorteilhaft. Seit 2009 hat Jürgens in der Zeitschrift konkret die lyrische Bildbeschreibungstradition wieder aufleben lassen.«

Wer Martin Jürgens live beim weltanschaulichen Vortrag seiner neuen hieroglyphen (in diesem Heft S. 49) zusehen und zuhören möchte, möge sich am 4. Februar um19.30 Uhr im Books, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstraße 227, einfinden. Unter dem Titel »Schweinkram, Schönheit, scharfe Bilder« stellt der Autor dort sein Buch vor.

 

Weitere Termine: Am 1. Februar um 19.30 Uhr ist Thomas Ebermann in der Berliner Bar Laidak, Boddinstraße 42/43, mit seinem Vortrag »Mit Keynes für Deutschland« zu Gast.

Wenzel Storchs Theaterstück »Das Maschinengewehr Gottes«, das auf seinen Texten in konkret basiert, wird am 12. und am 27. Februar jeweils um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Dortmund, Theaterkarree 1–3, aufgeführt.

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