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Elke Wittich über die neue Gesichtserkennungs-App

Legt man die Fotos zugrunde, die auf Facebook täglich veröffentlicht werden, sieht ein Mensch im Prinzip aus wie der andere, also entweder mit selfietypischem Duckface oder so, wie Leute eben aussehen, wenn sie auch mit der Verschönerungsfunktion 15 Anläufe für ein halbwegs präsentables Foto brauchen. Eigentlich müssten wir auch noch über die Bilder von Zehen sprechen, die notorisch in Gewässer gehalten werden, aber die sind heute nicht das Thema, sondern eine neue Gesichtserkennungs-App, die all die gleich aussehenden Menschen unterscheiden kann.

Sie soll, verspricht der russische Hersteller, eine Flirthilfe sein, denn nun reicht es aus, ein Foto von jemandem zu machen, den man in der U-Bahn oder sonstwo nett fand, und statt peinliche Suchmeldungen (»Hallo Unbekannte/r«) in Lokalzeitungen zu veröffentlichen, kann man die App nach der begehrten Person suchen lassen. Jedenfalls, wenn sie im russischen Netzwerk vk.com angemeldet ist, das deutschen Nazis und Verschwörungstrotteln als wunderbare Alternative zu Zuckerbergs Facebook gilt – weswegen einschlägige FB-Gruppen unermüdlich dafür werben, zu VK zu wechseln, wegen der Menschenrechte und des Datenschutzes, was im Klartext heißt: Dort kann man ungestört den Holocaust leugnen und Andersdenkende beleidigen, weil es sowieso niemand mitbekommt und man nicht gesperrt wird. Aber das ist auch eine andere Geschichte.

 Erste Tests haben ergeben, dass die App Find Face tatsächlich funktioniert – und natürlich, wir reden hier vom Internet, nicht nur zu einem glücklichen gemeinsamen Leben verhelfen kann, sondern auch das Zeug dazu hat, der Dernier cri des Belästigens zu werden. User eines russischen Forums setzen Find Face bereits ein, um Darstellerinnen aus Amateurpornofilmen bei VK zu finden, auszuspionieren und ihre Freunde darauf aufmerksam zu machen, dass die Frauen in Sexfilmchen zu sehen sind.

Genügend kriminelle Energie vorausgesetzt, ist die App auch als Erpressertool einsetzbar. Denn sie ermöglicht es etwa nachzugucken, ob der Typ da vorne im Park tatsächlich mit seiner Frau knutscht oder doch eher ein Verhältnis mit seiner Kollegin hat. Die Macher der App dürften genau wissen, dass das auch für Geheimdienste und Polizeibehörden sehr interessant klingt. Vom »Guardian« gefragt, ob sie mit dem russischen FSB zusammenarbeiten würden, antworteten sie, dass sie sich dessen Angebot auf jeden Fall anhören würden.

Elke Wittich

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