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Peter Kusenberg über Waffengeschäfte im Darknet

Der Massenmörder von München hat seine Tatwaffe im Darknet gekauft, wo sich lichtscheues Gesindel herumzutreiben pflegt. So jedenfalls stellen es sich all jene Politiker vor, die kurz nach dem Amoklauf rumzuramentern begannen, etwa CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl: »Es darf doch wohl nicht wahr sein, dass man sich jede Waffe dieser Welt durch anonymes Surfen im Internet beschaffen kann.« Sein SPD-Kollege Burkhard Lischka griff zur Taschenlampe: »Wir müssen das Darknet durchleuchten.«

Wo kämen wir auch hin, wenn Kriminelle ihre Waffen nicht mehr, wie üblich, im Waffengeschäft um die Ecke kauften, beim Trenchcoatmann auf dem Hannoveraner Raschplatz oder gar in Tony Sopranos Lieblingsmetzgerei? Das selbstgefällige Geplapper jener Politikerdarsteller zeigt die Unkenntnis über die Beschaffenheit des Internets, das man sich gut wie einen Eisberg vorstellen kann, bei dem der größte Teil unter der Wasseroberfläche schwimmt und in toto das Deepnet bildet. Zum Deepnet, und mehr noch zur Deepnet-Abteilung Darknet, erhält nur Zugang, wer gewisse Programme einsetzt, von denen die Tor-Erweiterungen für quelloffene Browser am besten geeignet sind.

Im düsteren Reich sieht’s dann aus wie in den Läden von Krämerchef Jeff Bezos, nur noch weniger glamourös. Statt Ebay und Amazon betritt man Alphabay, Nucleus oder den Crypto Market, während der berüchtigte Waffenladen Silk Road die Schotten dichtgemacht hat. Zentrale Server fehlen, mithin verlässliche Adressen und dauerhafte Inhalte. Viele Seiten werden rasch gelöscht – oder ein Darknet-Händler schaltet seinen Server-Rechner aus, bevor er frühmorgens ins Bett wankt. Gehandelt wird mit ähnlichem Dreck wie im beleuchteten Internet, doch statt SUVs sind’s eher Kokain, Speed, illegale Pornografie und Schusswaffen.

Besonnene Zeitgenossen loben das Darknet als einen Ort, an dem sich arabische Oppositionelle und iranische Schwule ohne Lebensgefahr austauschen können. Bundesinnenminister de Maizière ficht das nicht an, er will nicht nur Licht ins Darknet bringen, sondern empfiehlt ein grundsätzliches Bekenntnis zum Eigennamen. Das machen die Besucher der Internationalen Waffenmesse in Nürnberg ja genauso, etwa der Österreicher, der laut »Zeit« im Jahre 2011 mit einer Knarre und zwei Handgranaten aus dem Bestand seiner 600 scharfen Waffen in die Frankenstadt gereist war, um seine bescheidenen Vorräte aufzustocken.

Peter Kusenberg

 

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