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Veronika Kracher über die amerikanische Rechte und ihre öffentliche Erscheinung 

Die amerikanische Rechte und ihre öffentliche Erscheinung haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Klassische konservative Führungsfiguren wie George W. Bush wurden von krakeelenden Medienstars wie Richard Spencer oder Milo Yiannopoulos ersetzt. Rechtspopulistische Rhetorik ist inzwischen zum Bestandteil republikanischer Reden geworden. Die Basis der republikanischen Partei unter Donald Trump besteht zu großen Teilen aus einer Subkultur, die sich übers Internet gebildet und radikalisiert hat.

Ihr Maskottchen ist ein Cartoon-Frosch, und auf Fotos erkennen sie sich an Handzeichen oder Codes. Sie haben eine Szenesprache entwickelt, in der Frauen als »Femoids« und all jene, die nichts mit der gruseligen Welt der Alt-Right anfangen können, als »Normies« bezeichnet werden. Ihre Treffpunkte sind Unterforen der so gigantischen wie vielfältigen Internetseite Reddit und Imageboards wie 4chan.

Wer über Empathie oder einige Vernunft verfügt, sollte einen großen Bogen um die Webpräsenzen der Alt-Right machen. Dort betritt man nämlich eine misogyne, rassistische und antisemitische Echokammer, deren Insassen sich darüber austauschen, wie man am effektivsten Antifaschisten und Antifaschistinnen verprügelt, oder sich mit der Frage beschäftigen, welcher Zusammenhang zwischen dem neuen schwarzen Freund der weißen Freundin und der jüdischen Weltverschwörung besteht.

In ihrem Buch Kill All Normies analysiert die irische Kulturwissenschaftlerin Angela Nagle, wie es zum Aufstieg der Internet-Rechten kommen konnte. Sie legt dar, dass sich diese faschistischen Trolle in die Tradition moralischer Grenzgänger wie de Sade oder Nietzsche stellen und so ihren pseudointellektuellen Kampf gegen die »Diktatur der Political Correctness« führen. Geradezu besessen sind die Alt-Right-Anhänger von der Geschlechterfrage, und sie glorifizieren die Tatsache, dass ein Sexualstraftäter im Weißen Haus sitzt, genauso, wie sie alles Nichtmännliche verabscheuen.

Aus kulturhistorischer und sozialpsychologischer Sicht beschreibt Nagle die Bedingungen, unter denen sich diese ultra-aggressive und maskulinistische Subkultur entwickeln und eine derart große öffentliche Wirkung entfalten konnte. Wer die moderne amerikanische Rechte und das Internet als Brutstätte solcher Subkulturen verstehen möchte, sollte Nagles Buch lesen.

Veronika Kracher

Angela Nagle: Kill All Normies: Online Culture Wars from 4chan and Tumblr to Trump and the Alt-Right. Zero Books 2017, 156 Seiten 

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