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»Alle Menschen werden Brüder«

Was im Fall Marlies Krämer eigentlich auf dem Spiel steht.

Von Fritzi Busch

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein Urteil verkündet, das es den Betreibern niederer Dienstleistungen wie Banken weiterhin gestattet, in ihren Schreiben ausschließlich die männliche Form zu verwenden. Die »Emder Zeitung« ist erleichtert: »Endlich mal hat eine wichtige Institution den galoppierenden Blödsinn, die Sprache mit Pseudo- Gleichbehandlungen zu verhunzen, zumindest ein bisschen gestoppt.«

Aber was, bitteschön, haben die Ergüsse einer Sparkasse oder der »Emder Zeitung« mit Sprache zu tun? Zwar wird im Kampf gegen diese »pfuscherhaften Eingriffe in die Sprache« (»FAZ«) gern die Linguistik bemüht, werden Schiller, Goethe und Shakespeare als Kronzeugen aufgerufen: »Alle Menschen werden Geschwister« – wie klingt denn das? Die Vehemenz mit der jene die Verteidigung von Literatur und Sprache betreiben, die sonst von »Emder Zeitung« bis »FAZ« nie einen Gedanken an sie verschwenden, weist aber darauf hin, dass etwas anderes auf dem Spiel steht: die männliche Herrschaft. Nicht einen Fußbreit wollen Justiz, Wirtschaft und Medien zurückweichen vor Frauen, die die Frechheit haben, angesprochen werden zu wollen.

Voller Häme macht die »FAZ« Marlies Krämer, deren Klage der BGH abgewiesen hat, für ihre Aufmüpfigkeit nieder: Sie könne ja, »wenn es ihr so wichtig ist, zu einer Gepflogenheit aus dem 18. Jahrhundert zurückkehren und sich, in Analogie zur ›Gottschedin‹ (Gottscheds Frau), Krämerin nennen«. Liebe Kundinnen der Sparkasse, es ist an der Zeit, Ihr Konto und Ihr »FAZ«-Abo zu kündigen.

Fritzi Busch


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