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Paradies auf Erden

In literarischen Erinnerungen gibt sich die Kriegskindergeneration dem Vergnügen auch am Schäbigen und Tabuisierten hin - von Christian Dormagen

Nie hätte ich gedacht, daß ich jemals Rittergutserinnerungen lesen würde. Aber auch das ist offenbar eine Folge des Mauerumfalls und der damit einhergehenden ideologischen Wende. Worüber mancher Alt-Deutsche sich bis dato aus bekannten Gründen nicht zu beklagen wagte, das wird jetzt sehr aggressiv öffentlich verhandelt. Die Stichworte lauten: Flucht und Vertreibung, Vergewaltigung durch russische Soldaten, "Gustloff", Dresden-Bombardierung etc. Und in diese Reihe gehört auch das Thema "Glück und Elend der Kriegskindergeneration". Vier deutsche, nichtjüdische Erinnerungsbücher resp. Romane habe ich dazu gelesen und war einigermaßen erschüttert. Jedoch anders als gedacht.

Drei Frauen der Jahrgänge 1931 und 1932 erzählen - einmal direkt autobiographisch und zweimal nur leicht romanhaft verkappt -, wie es damals war; und ein Mann, Jahrgang 1940, geht auf Spurensuche nach seinem mit 19 Jahren gefallenen älteren Bruder. Alle vier Bücher sind in Ichform geschrieben. Nun kann man, siehe oben, als Deutscher Biographisches, das u.a. in die Nazizeit fällt, auch heute nicht einfach so, naiv-unschuldig, erzählen. Aus der ethischen Falle - wie habt ihr euch verhalten, was habt ihr gewußt? - winden sich alle drei Frauen mit einem erzähltechnischen Trick. Zwei tun so, als wären sie noch das kleine Mädchen von damals, und eine kehrt die Großmutter heraus, die sie auch ist, und richtet sich im Großmutterton mit ihren Geschichten aus der eigenen Kindheit vorgeblich nur an ihre Enkel.

Aber wieso wollen die vier Personen, wenn das Thema doch so heikel, der Boden so glitschig ist, überhaupt von damals sprechen? Erstens, weil man im Alter sowieso schrecklich gern Geschichten aus der Jugend erzählt, zweitens, weil der Boden so glitschig nicht mehr ist und man heute endlich laut sagen darf, daß man im Krieg ganz schön was mitgemacht hat, und drittens - so war es bisher -, weil man im nachhinein Rechenschaft ablegen möchte oder etwas zu begreifen versucht. Das tut aber nur einer der vier, der Schriftsteller Uwe Timm, der verstehen will, warum sein 16 Jahre älterer Bruder sich mit 18 freiwillig zur SS meldet und Panzerpionier der Totenkopfdivision wird.

Was mich unter diesen Voraussetzungen am meisten interessierte, ist der vorgetäuschte Kinderblick auf die Nazizeit. Am glattesten rutscht der "Ritterroman" drüber weg, da die Naziherrschaft, scheint's, kaum bis zum Rittergut Pätzig in der ostelbischen "Neumark" reichte. Werburg Doerr, geb. von Wedemeyer, möchte die Erinnerung an die verlorene Heimat wachhalten und schildert in einem altbacken-putzigen ad-usum-delphini-Ton Geschichten von sieben spartanisch erzogenen, aber glücklichen Kindern, einer tüchtigen Mutter, einem vergötterten Vater ("Es gibt in Pätzig nur zwei Dinge, die wirklich zählen: daß wir Gott achten und daß Vater stolz auf uns ist"), von den geliebten Pferden, dem preußisch-aufrecht ertragenen Kriegstod von Vater und einem Bruder, von der Flucht ... Irgendwann fällt zitatweise tatsächlich auch der Satz: "Herr Rittmeister, es ist vorgefahren." Neben ein paar deftigen anderen, wie: "Nach der Bouillon erhebt sich Vater und hält eine Rede auf König und Vaterland." Oder: "›Es gibt drei Dinge, die man nicht verleiht‹, sagt Vater, ›sein Pferd, seine Frau und seine Zahnbürste!‹" Auf daß die Enkel der Omaerzählerin auch zu Männern reifen! Aber die Enkelinnen - was mögen die denken, zumal bei der Reihenfolge!

Apropos Pferde, in dem Zusammenhang taucht ein einziges Mal das Wort Jude auf: Man kaufte die Tiere beim "Pferdejuden", und das bedarf, denkt die Rittmeisterstochter, einer Erklärung: "Nun weißt du (sie redet die Enkel schrecklicherweise direkt und im Singular an; C. D.), da du Jahrzehnte später lebst und deine Eltern dir davon erzählt haben, daß wir Deutschen grausam mit den Juden und auch mit den ›Zigeunern‹ umgegangen sind." Und weiter, nachdem sie erwähnt hat, daß der Pferdejude die Pferde zwecks Verkauf schönredet: "Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, ist mir wichtig, daß du verstehst, daß dieser Mann und viele seinesgleichen in solche Berufe ausgewichen sind, weil ihnen andere Erwerbsquellen versperrt und sich Nichtjuden für Gewerbe wie den Pferdehandel zu schade waren."

Dieser Passus fällt so absurd aus dem Ganzen heraus, daß er sich wohl einem nachträglich schlechten Gewissen oder einem pädagogischen Hinweis des Lektorats verdankt. Richtig vertrackt in seiner ausgeglitschten (Un-)Schuldbekenntnislogik ist schließlich der letzte Satz des Doerr-Buchs: "Als es klar wurde, daß wir mit Pätzig einen Teil des Preises für die Verbrechen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg bezahlen mußten, schien es uns, als schlössen sich die Pforten zu Arkadien, dem Paradies auf Erden."

Die beiden anderen Autorinnen, Irmtraud Balz und Draginja Dorpat, lassen dagegen junge Mädchen sprechen. Und beide Male ist der künstliche Kinderton häufig schon in der Wortwahl unglaubwürdig, von der Wiedergabe ellenlanger Gespräche oder komplizierter Gedanken ganz zu schweigen. Aber er ist eben sehr praktisch, wenn sich z.B. menschliches Handeln dadurch ins Märchenhaft-Naturkatastrophische verschwiemeln läßt: "Der Krieg schert sich nicht um private Belange, er gehorcht seinen eigenen Gesetzen, knüpft das Netz immer enger um das Tausendjährige Reich" (Balz). Balz erzählt die Geschichte einer sozusagen unspektakulär normal anständigen Familie: Der Lehrervater wird vom Nazidirektor schikaniert, die Mutter steht in der Straßenbahn für eine alte Jüdin auf. Beim Zeitungslesen über den Warschauer Ghettoaufstand sagt sie: "Vierzehn Tage dauert das jetzt schon und immer noch kein Ende. Mich hat sowieso gewundert, warum die Juden sich das alles gefallen lassen." Als die Familie gegen Kriegsende jedoch wieder ins eigene Haus zurückwill, wo inzwischen Fremde einquartiert sind, empört die Mutter sich ebenso selbstverständlich beim Bürgermeister: "Es muß sich doch feststellen lassen, warum man mich derart behandelt. Schließlich bin ich keine Jüdin. Mein Mann hat diesem Staat jahrelang treu gedient, wir sind anständige Bürger."

Nach Goebbels' Die-Juden-sind-unser-Unglück-Rede wiederum, erzählt die Tochter, habe der Vater gemeint, "es gäbe gar nicht so viele Juden in Deutschland, und an den fast siebzig Millionen der Gesamtbevölkerung gemessen sei diese halbe Million eine verschwindend kleine Zahl ... So wenig, sage ich enttäuscht, und darum das ganze Geschrei. Ja, seufzt Vater, weil wir gerne andere für unser eigenes Versagen verantwortlich machen ... Du redest uns noch um Kopf und Kragen, bis wir dorthin kommen, wo der Eisenkrämer schon ist und der Pfarrer Niemöller", sagt die Mutter, "denn der ist jetzt auch im Lager." Das Schöne am Kindermund ist, daß diese und ähnliche Sätze und Szenen, die in ihrer Konkretheit natürlich gefinkelt sind, einerseits trotzdem wahr sind und andererseits aus vorgeblichen Authentizitätsgründen nicht kommentiert oder gerechtfertigt werden müssen. Hängen bleibt jedenfalls: Man hatte viel Unrecht und Leid zu ertragen, Schuld an dem ganzen Elend hatte Hitler ("wohin will dieser Wahnsinnige uns noch bringen"), und man mußte sehen, wie man sich wegduckte, durchschlug und weiterbrachte.

Unangenehmer noch ist das Buch von Dorpat, das vor allem eine Nachkriegsgeschichte ist, die bis 1952 reicht. Auch da ist der Vater in der Nazizeit Lehrer, aber gleichzeitig "Propagandaleiter der Ortsgruppe der Partei und neuernannter Volkssturmkommandant". Das icherzählende Mädchen ist bei Kriegsende 13 Jahre und in der Begeisterung für Führer, Volk und Vaterland aufgewachsen, stellt sich dann schnell um - "wie ist das Leben schön ... ich habe keine Pflichten mehr, der Führer ist tot und schon vergessen, die Hitlerjugend ist tot und fast vergessen, die Angst vorm Feind ist weg ... Geblieben ist das Leben ... Das genügt." Wenn da nicht eine Altlast wäre, der Vater. Wieder geht es um die Rückkehr ins eigene Haus. Es gehört inzwischen der Bank, und die verweigert den Zutritt, was das Mädchen empört: "Was haben wir verbrochen? Doch gar nichts! Alles bloß wegen Papa? Wegen der paar Reden auf dem Schloßplatz? Und im Ochsen und im Saalbau ... Papa hat niemanden umgebracht ... Unser Vater war ein kleiner Redner in einer kleinen Ortsgruppe in einem kleinen Dorf, weiter nichts!" Begreiflicherweise drückt der Vater sich lange vor dem Entnazifizierungsantrag, obwohl er vorher nicht wieder unterrichten darf. "So aber leben wir im Elend - und Papa ist schuld", findet die Tochter. Als er schließlich als "minderbelastet" eingestuft wird, macht sie ihm klar, daß er doch nur die "drittniedrigste Stufe" gekriegt habe. Und weiter heißt es aus Tochtermund: "Leider hat der böse Spruch böse Folgen." Geldstrafe, Anwaltskosten Berufssperrfrist ... Es geht der Familie immer noch schlecht.

Übel an dem Buch ist, daß Dorpat das Mädchen benutzt, um ein vages, nicht so recht greifbares Ressentiment loszuwerden, ohne daß sie selber dafür belangt werden könnte. Das Mädchen erzählt halt, was sie erlebt und was die Leute so sagen. Und die sprechen vom "Kazett der Amerikaner", wenn sie die Nachkriegsinternierungslager für deutsche Nazis meinen; sie sagen über die Urteile im Nürnberger Prozeß, das sei "Nationalsozialismus mit umgekehrten Vorzeichen"; sie sagen: "Die Luftangriffe auf deutsche Städte waren auch Kriegsverbrechen"; und sie sagen: "Tausende von Kriegsgefangenen werden festgehalten." Gegenmeinungen kommen nicht vor.

Auf Seite 311 von 331 Seiten taucht dann zum ersten Mal das Wort "jüdisch" auf: "In unserem Dorf gab es keine Synagoge und keinen jüdischen Kaufmann, auch keinen jüdischen Viehhändler. In unserem Dorf wurden keine Scheiben eingeschlagen, kein Haus wurde in Brand gesteckt ... Von Grausamkeiten und Verbrechen erfuhren wir nichts." (Daß der Verlag mit eben diesem Zitat wirbt, sagt viel über schlechtes Gewissen und Verlogenheit.) An anderer Stelle erzählt das Mädchen, wie die Deutschlehrerin im Nachkriegsunterricht pflichtgemäß über die "Opfer des Faschismus" spricht und die Schülerinnen nicht begreifen, wovon überhaupt die Rede ist, was wiederum Schuld der Lehrerin ist. In einer späteren Auseinandersetzung mit dem inzwischen verachteten Vater, der in ihrer Kindheit immerhin gleich nach dem "Führer" kam, sagt der, er habe doch nur den Versailler "Vernichtungsfrieden" aufheben wollen, und Hitler sei eine Folge von Versailles: Jene Schurkerei habe nach einem Schurken geschrien. Worauf das Mädchen eingewandt haben will: "Das erklärt noch nicht den Rassenwahn, das begründet keinen Ausrottungswahn, keinen Unterwerfungswahn, das erklärt nicht im geringsten die wahnwitzigen Verbrechen der Hitlerherrschaft. Mein Vater ist vorausgeeilt und hört mich nicht." Diese plötzliche Einsicht ist dermaßen wischiwaschi-abstrakt und allgemein, so hinten angeklebt, daß sie wie die nachträgliche eigenhändige Persilscheinverleihung wirkt und ebenso unglaubwürdig wie der allerletzte Nachsatz des Buchs: "Das Wort Auschwitz lernte ich in den sechziger Jahren, als die Prozesse in Frankfurt begannen. Da erst hörte ich von Auschwitz und Treblinka, von Majdanek und Buchenwald und Sachsenhausen und Flossenbürg ... Und das Wort Auschwitz begann in meinen Ohren zu dröhnen und will nicht aufhören zu dröhnen." Wenn das stimmte, wenn es wirklich dröhnen würde, hätte Dorpat dieses Buch nicht geschrieben.

Die nachklappende Erkenntnis weckt genau wie bei Doerr den Verdacht, es handle sich um einen Schachzug, der doppelten Schreib- und Lesegewinn ermöglicht. Man darf sich ungehemmt dem Vergnügen hingeben, alles, auch das Schäbige und Tabuisierte, haarklein zu erzählen, und also auch dem Vergnügen, im Lesen all das nachzuerleben und wiederzuerkennen, und man darf leiden, lesend und schreibend, weil man durch den Ablaß eines vorgefertigten Schuldbekenntnisses immer auf der richtigen Seite ist.

Ganz anders Uwe Timm. Er hat es nicht nötig, sich hinter einer Kindermaske zu verstecken, da er ausdrücklich und mit all dem angesammelten Wissen von über 50 Nachnazijahren verstehen will, wie es dazu kommen konnte, daß sein 1924 geborener, 16 Jahre älterer Bruder, an den er sich kaum erinnern kann, mit 18 Jahren freiwillig zur SS-Totenkopfdivision geht. Ein unausgesprochenes Motiv mag auch der Schrecken darüber gewesen sein, daß er selber ohne die Gnade der späten Geburt dieser Bruder hätte sein können. Da der mit 19 gefallene Bruder die Familiengeschichte als Heldenikone dominiert, wagt Timm erst nach dem Tod seiner Eltern, die keine Nazis, sondern mitlaufende Untertanen waren, am Heiligen zu rütteln. Aus versprengten Erinnerungsbruchstücken, eigenen Reflektionen, Träumen, Auszügen aus Briefen, den Lebensgeschichten von Vater und Mutter entsteht nach und nach nicht nur ein Familien-, sondern auch ein zeitgeschichtliches Sittenbild, dem sowohl der junge SS-Mann als auch der spätere linke Autor entsteigen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Timm den verräterischen sprachlichen Floskeln, mit denen die Eltern, ohne daß er gefragt hätte, über die Nazizeit und vom Bruder zu erzählen pflegten. Gelegentlich klingt das fast wie ein Kommentar zu den oben besprochenen Büchern: "Die formelhafte Zusammenfassung der Eltern für das Geschehen war der Schicksalsschlag, ein Schicksal, worauf man persönlich keinen Einfluß hatte nehmen können. Den Jungen verloren und das Heim, das war einer der Sätze, mit denen man sich aus dem Nachdenken über die Gründe entzog. Man glaubte mit diesem Leid seinen Teil an der allgemeinen Sühne geleistet zu haben. Fürchterlich war eben alles, schon weil man selbst Opfer geworden war, Opfer eines unerklärlichen kollektiven Schicksals."

Besser läßt sich kaum sagen, wie man sich über die Glorifizierung des eigenen Leidens Entlastung erschlich. Und so löst Timms Buch tatsächlich ein, was sein Titel Am Beispiel meines Bruders verspricht: Es leistet auf beispielhafte Weise Aufklärung, auch wenn der Bruder selber eine Schattengestalt bleibt. Denn nicht einmal dessen erhalten gebliebenes kurzes Feldtagebuch gibt wirklich Aufschluß - weder über seine innere Befindlichkeit noch über reale Kriegshandlungen. Von Erschießungen oder Vergeltungsaktionen ist dort nie die Rede, und das Wort "Jude" taucht ohnehin nicht auf. Kaum einen Monat vor seinem Tod schreibt er allerdings: "Hiermit schließe ich mein Tagebuch, da ich für unsinnig halte, über so grausame Dinge wie sie manchmal geschehen, Buch zu führen." Da ist sie wieder, jene "Schicksalisierung", durch die Täter, Taten und Opfer verschwinden und nur noch das herrenlos Schreckliche übrigbleibt.

Man verstummt, sieht weg, leugnet. Nur Kinder verfügen noch nicht über diese Selbstschutzfähigkeiten. Und wenn sie spielen, dann spiegeln sie immer auch in Variationen das wider, was in ihrer Lebenswirklichkeit geschieht. Auf diese Weise können Kinder manchmal die unbestechlichsten Wahrheitssprecher sein: "Eine Frau hat uns beobachtet und zischt mir zu: ›Ihr bringt noch eure ganze Familie ins KZ.‹ Was das heißt, versteht jeder. Es gibt ein Kinderspiel, das heißt KZ. Man spielt es nur, wenn man mit wenigen Kindern ist, die man gut kennt. Man baut aus Steinchen eine kleine Umzäunung. Dann fängt man Ameisen. Sie dürfen beim Einfangen ein bißchen beschädigt werden, damit sie nicht mehr so schnell sind. Dann kommen sie alle auf einmal in die Umzäunung. Die Ameisen, die über die Umzäunung klettern und wegrennen, werden ›auf der Flucht erschossen‹. ›Auf der Flucht erschossen‹ ist, wenn man von oben Steine auf sie fallen läßt, bis sie tot sind. Manche brauchen lange, bis sie tot sind. Manchmal wird auch mit einem Brennglas gearbeitet. Ich habe auch einmal mit dem Brennglas gearbeitet. Ich habe es dann nie wieder getan. Zuletzt werden die invaliden Ameisen, die aus der Umzäunung nicht mehr rausgekommen sind, getötet."

Geschrieben hat das der 1937 geborene Kai v. Drigalski, und es steht in einer kleinen, selbstverlegten Broschüre mit dem Titel "Das geheime Curriculum", einer Protestschrift von ehemaligen Schülern des Philippinum in Marburg gegen die offizielle Festschrift zum 475jährigen Jubiläum ihrer Schule. In ihren Erinnerungstexten nehmen sie jenes immer noch kritiklos hochgehaltene humanistische Bildungsideal auseinander, das damals von ihren Lehrern so bruchlos in den Nationalsozialismus über- und daraus wieder rückgeführt wurde.

Literatur:

Werburg Doerr: Flieg, Maikäfer. Eine Kindheit jenseits der Oder. Hoffmann & Campe, Hamburg 2003, 318 Seiten, 21,90 Euro

Irmtraud Balz: Für einen Augenblick wachsen uns Flügel. Eine Kindheit 1933-1945. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, 367 Seiten, 19,90 Euro

Draginja Dorpat: Und zu Küssen kam es kaum. Klöpfer & Meyer, Tübingen 2003, 330 Seiten, 22,40 Euro

Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, 158 Seiten, 16,90 Euro

"Das geheime Curriculum". Edition Whistleblower, Sandweg 34, 35037 Marburg. whistleblower@web.de

Weitere Literatur zum Thema:

Hilke Lorenz: Kriegskinder. Das Schicksal einer Generation. List, München 2003, 272 Seiten, 21 Euro

Hartmut Radebold (Hg.): "Kindheiten im Zweiten Weltkrieg und ihre Folgen." "Psychosozial" Nr. 92/2003

Christel Dormagen schrieb in KONKRET 5/03 über Maxim Billers verbotenen Roman "Esra"

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