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Rettet Bessings Kinder

Ein Antrag an das Jugendamt Hannover - von Marit Hofmann

Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit beantrage ich, daß Herrn Joachim Bessing, wohnhaft in Hannover, Beruf Schriftsteller, das Sorgerecht für seinen Nachwuchs entzogen wird. Ich kenne diesen Herrn nicht persönlich, wohl aber ist aus seinem öffentlichen Wirken zweifelsfrei zu folgern, daß von dem selbsternannten Familienoberhaupt eine Gefährdung des Kindeswohls ausgeht. Insbesondere aus seinem gerade als Taschenbuch neuaufgelegten Pamphlet "Rettet die Familie!" (Ullstein) spricht vor allem eins: Haß. Haß auf den "verantwortungslosen" Erzeuger des Mädchens, das seine Frau mit in die Ehe brachte. Haß auf die Kinderärztin, die ihm vorwirft, seinen Nachwuchs zu überfordern (Papa nennt's "elterliche Autorität"). Haß auf die 68er und die Frauenbewegung, die "eine gemeinschaftliche Kultur in der Partnerschaft" verhinderten. Und noch einen historischen Tiefpunkt gibt es in Bessings persönlicher Pathologie: "die Katastrophe von 1945". Die damals "erlittenen Beschädigungen am Familiensinn" gelte es wiedergutzumachen, und zwar durch eine "Rückzüchtung der Form". Auf daß die Patchworkmentalität ausgemerzt werde zugunsten traditioneller Bilderbuchfamilien vom Schlage der Goebbelsschen.

Als neue Vorzeigeeltern der Nation gebärden sich indes Herr Bessing und seine Angetraute, Frau Alexa Hennig von Lange, höchstpersönlich. Die Dame des Hauses darf immerhin einen Beruf ausüben, man ist ja nicht von vorgestern. Abgesehen davon, daß ihr Mann sich angeblich selbst Salat zubereiten kann, sind die Rollen im Schriftstellerhaushalt klassisch verteilt. Während ER für den Überbau zuständig ist, trichtert SIE den Sprößlingen in Jugendbüchern wie "Mira schwer verliebt" (Rowohlt) SEINE Lehren ein; ferner testet SIE in der "SZ" Nagellack und ediert für Rexona aus Einsendungen von Deodorantuserinnen "Super Frauen Super Stories". Schließlich will auch eine Supermutti im Leben Duftmarken - nein, "Spuren hinterlassen. In meinem Fall in Form von Büchern und Kindern." Eine andere Spur hinterließ die gleichberechtigte Gattin, als sie vor kurzem eine neue Frauenbewegung forderte, die - Halten Sie sich fest! - "den Mann mitbedenken" müsse. "Denn Männer und Frauen sind aufeinander angewiesen." Und auch die Herren hätten schließlich ein Recht auf Arbeit. Endlich hat der Feminismus seine wahre Mission gefunden: der Kampf gegen die Diskriminierung des Mannes.

Aber ich schweife ab. Das Schlimmste ist doch: Mutter Hennig von Lange begrüßt, daß ihr Gemahl sich an der Erziehung beteiligt. Wie aber will jemand, der die finanzschwache und kulturlose Masse offenbar am liebsten sterilisiert sähe, verantwortungsvolle Bürger heranziehen? "Wer, um seine Kinder großzuziehen, auf die Hilfe des Staates angewiesen ist, der hat von der kulturell entwickelten Lebensform Familie ... rein gar nichts begriffen", wettert der Autor von "Welt". Gebraucht würden Leute wie er, Bessing, der "sich und sein Tun als so wertvoll schätzt, daß er es zu dem Vorbild von anderen machen will" - und seine Zuchtphantasien an wehrlosen Kindern ausläßt. Sagen Sie selbst: Ist der gemeinsame Sohn Pontus mit seinem Vornamen nicht schon genug gestraft?

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