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20. Juni, "Welt online": Die Baskenmütze ist kein Zufall, die geballte Faust ist es nicht, die Dame meint es ernst: Lydia Guevara, Enkelin des kubanischen Revolutionsführers Che Guevara, ist Vegetarierin und will, daß es noch mehr davon gibt. Für eine Plakatkampagne der Tierrechtsorganisation Peta ließ sich die 24jährige halbbekleidet mit einem "Patronengürtel" aus Karotten, roter Baskenmütze und in der Pose ihres Großvaters fotografieren - und fordert zur "vegetarischen Revolution" auf. Die Plakate sollen ab Oktober in Guevaras Heimat Argentinien zu sehen sein, später wohl auch in anderen Ländern. Ein Sprecher von Peta beschrieb die Aktion durchaus als "Hommage an ihren verstorbenen Großvater". RINDERWAHN
25. Juni, "Taz": Einem 14jährigen türkischen Schüler droht eine mehrjährige Haftstrafe, weil er den Gründer der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, als Rindvieh bezeichnet hat. Ein Lehrer in der westtürkischen Stadt Balikesir in der gleichnamigen Provinz habe den Achtklässler angezeigt, berichtete die türkische Tageszeitung "Taraf" gestern. Der Lehrer hatte die Schüler der Klasse aufgefordert, die Bücher aus den Ranzen zu holen. Der Junge habe auf ein Bild Atatürks gezeigt und gesagt: "Ohne dieses Rindvieh hätten wir auch nicht dieses Buch." Ein Gericht hatte den 14jährigen Schüler zunächst freigesprochen mit der Begründung, es habe sich um einen Scherz eines Kindes gehandelt. Ein höhergestelltes Gericht habe das Urteil allerdings aufgehoben und entschieden, es müsse einen neuen Prozeß geben. Dem Jungen drohen nun bis zu drei Jahren Haft, berichtete die Zeitung. BESSERUNGSANSTALT
11. Juli, AFP: Der Folterskandal um die die sächsische Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen weitet sich offenbar aus. Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) habe einen weiteren, bislang nicht bekannten Fall von Häftlingsmißhandlung in dem Jugendgefängnis südlich von Leipzig verschwiegen, berichtet das Münchner Magazin "Focus". Der neue Gewaltausbruch ereignete sich dem Bericht zufolge am 2. September 2008, also wenige Monate nach dem Folterfall, der erst kürzlich bekanntgeworden war. Zu den drei jetzt Beschuldigten zähle auch jener 16jährige Häftling, der bereits im Mai 2008 einen Mitgefangenen mehrfach gequält und beinahe ermordet haben soll. Offenbar habe der als äußerst brutal geltende Jugendliche erneut Gewalt gegen einen Mitgefangenen ausüben können, ohne daß die Gefängnisbeamten oder die Anstaltsleitung etwas davon bemerkten. FREIHEIT DER KUNST (1)
14. Juli, DPA: Nach Boykottaufrufen palästinensischer Gruppierungen haben die Musiker Daniel Barenboim und Leonard Cohen geplante Konzerte in Ramallah im palästinensischen Westjordanland abgesagt. Der israelisch-argentinische Pianist Barenboim werde am Freitag bei einem Auftritt junger palästinensischer Künstler, die eine arabische Oper aufführen, nicht dirigieren, hieß es am Dienstag nach palästinensischen Angaben. Der Auftritt Barenboims in Ramallah hatte heftige Debatten unter Palästinensern ausgelöst, die über Äußerungen des Musikers zur israelischen Militäroffensive im Gazastreifen zur Jahreswende erbost sind. Barenboim hatte die israelische Blockade des Palästinensergebiets kritisiert. Er hatte jedoch betont, Israel habe das Recht, seine Bevölkerung gegen Raketenangriffe militanter Palästinenser zu schützen, aber nicht mit Gewalt ... Intellektuellengruppen, die sich auch für einen Boykott Israels einsetzen, hatten dazu aufgerufen, das Konzert unter Leitung Barenboims zu boykottieren. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte Barenboim im vergangenen Jahr für seinen Einsatz gegen die israelische Besatzung und für die palästinensischen Bestrebungen nach einem eigenen Staat die Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen. Auch dem kanadischen Sänger Leonard Cohen hatten die Boykottgruppen zu verstehen gegeben, er sei in Ramallah nicht willkommen, solange er auch in Israel auftritt. Ein Konzert in Tel Aviv ist für den 24. September angesetzt, Cohen wollte es nicht absagen. DIKTAT DER MODE
30. Juli, "Welt online": Vor einem Gericht in der sudanesischen Hauptstadt Khartum ist es am Mittwoch zu tumultartigen Szenen gekommen. Angeklagt ist die Journalistin Lubna Hussein. Die Ordnungspolizei wirft ihr vor, sich "unanständig" gekleidet zu haben und durch das Tragen einer Hose Werte und Tugenden der sudanesischen Gesellschaft zu bedrohen. Im Norden des Sudan gilt die Scharia, das religiös legitimierte islamische Gesetz. Lubna Hussein war am 13. Juli zusammen mit zwölf weiteren Frauen von der Ordnungspolizei in einem Restaurant festgenommen worden. Die Frauen hatten Hosen getragen. Mehrere der Verhafteten akzeptierten an Ort und Stelle eine Strafe von zehn Peitschenhieben und eine Geldbuße von umgerechnet gut 70 Euro. Die Journalistin Lubna Hussein, die auch für die Vereinten Nationen im Sudan arbeitet, entschied sich statt dessen für ein Gerichtsverfahren. Sollte sie verurteilt werden, drohen ihr nun 40 Peitschenhiebe. Zu Beginn des Prozesses bot ihr der Vorsitzende Richter an, das Verfahren einzustellen, da sie als UN-Mitarbeiterin Immunität genieße. Frau Hussein entschied sich jedoch für eine Fortführung des Prozesses, da sie das Gesetz ändern will: "Das Gesetz schikaniert Frauen, und ich will das anprangern", sagte sie vor dem vollbesetzten Gerichtssaal. Sie trug die gleiche grüne Hose, die sie auch bei ihrer Verhaftung getragen hatte. Der Prozeß wurde vertagt. FREIHEIT DER KUNST (2)
3. August, "Süddeutsche Zeitung": "Ihr verdammten Hurensöhne werdet euer beschissenes Lied sofort ändern! Was hat unser Prophet mit eurem ungläubigen Lied zu tun? Löscht diesen Teil, oder ihr müßt die Konsequenzen tragen!" In solchen Brandbriefen gipfeln die Proteste, mit denen empörte Muslime seit einigen Tagen die Führung des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 traktieren. Um die Schalker Vereinshymne "Blau und Weiß wie lieb' ich dich" ist ein heftiger Glaubensstreit entbrannt. Mitten im Sommerloch sind türkische Medien auf das Vereinslied des Gelsenkirchener Traditionsklubs gestoßen und haben in dem Text "eine Verhöhnung des Propheten Mohammed" ausgemacht. In der dritten Strophe des im Jahre 1924 getexteten Schalke-Liedes, das noch heute vor dem Anpfiff jedes Heimspiels von den Fans inbrünstig gesungen wird, heißt es: "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht." Strenggläubige Muslime, die sich zugleich als Schalke-Fans bekennen, bedrängen jetzt den Revierklub, die dritte Strophe seiner Vereinshymne zu streichen und drohen sogar mit Boykott der kommenden Bundesligaspiele ... Womöglich wird der Verein jetzt erst einmal anerkannte Islamwissenschaftler konsultieren. FREIHEIT DER KUNST (3)
4. August, "Tagesspiegel": Die Berliner Staatsanwaltschaft wird im Fall des "Wahlkämpfer-Liedes" auf der Homepage der rechtsextremen NPD kein Ermittlungsverfahren einleiten. Eine entsprechende Entscheidung habe die Staatsanwaltschaft am vergangenen Freitag getroffen, teilte deren Sprecherin Simone Herbeth dem "Tagesspiegel" auf Anfrage mit. Im Text des Liedes werden dem früheren Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, Schläge angedroht. Verteiler von Wahlkampfmaterial werden in dem Song aufgefordert, "bei Himmler, Voigt und Rommel, da wirft man gerne ein, Briefkastendeckel trommelnd, hau ich Friedman eine rein". Himmler war SS-Chef im "Dritten Reich", Rommel Generalfeldmarschall der Wehrmacht. Udo Voigt ist NPD-Chef. Nach den Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft sei der Text des Liedes wegen einer möglichen Aufforderung zu Straftaten "umfassend geprüft" worden. Wenn man allerdings die fragliche Textzeile im Kontext des restlichen Liedes verstehe, so könne man sie nicht völlig eindeutig als Aufforderung zur Gewaltausübung gegen Friedman persönlich auffassen. Das Lied habe "nicht eindeutig genug strafrechtlich relevanten Inhalt, als daß wir wirklich ein förmliches Verfahren einleiten könnten", sagte die Sprecherin weiter. Friedman kommentierte dies mit den Worten: "Ich halte das für einen juristischen Offenbarungseid. Im Zweifel hat die Staatsanwaltschaft für die Nazis und nicht für den Betroffenen entschieden." "Die Angst, sich als Fußballer zu outen, ist enorm"
 Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB DANKE FÜR DIE GEBÜHREN
7. August, "Welt online": Drei Wochen nach dem Start des 30 Millionen Euro teuren neuen ZDF-"heute"-Studios ist es am Freitagnachmittag zu der ersten massiven Panne gekommen. Die "heute - In Europa"-Ausgabe, die um 16 Uhr ausgestrahlt wurde, mußte bereits nach wenigen Minuten abgebrochen werden. Grund war, daß mehrere Nachrichtenfilme nicht eingespielt werden konnten. Die Sendung geriet völlig aus den Fugen. Die Ausstrahlung der Telenovela "Alisa - Folge Deinem Herzen" wurde eilig vorgezogen. REPRÄSENTATIVE DEMOKRATIE
11. August, "Tagesspiegel" Jetzt hängen die Parteien wieder ihre Plakate. Doch so wie im Berliner Wahlkreis Kreuzberg und Friedrichshain sind sie wohl nirgends ... Linken-Kandidatin Wawzyniak setzt auf die Rebellenpose: Sie zeigt ihren nackten Rücken mit der (abwaschbaren) Tätowierung: "socialist", darunter der Slogan: "Mit Arsch in der Hose in den Bundestag". Körperlichen Einsatz verspricht auch CDU-Kandidatin Lengsfeld. Die Autorin und einstige DDR-Bürgerrechtlerin ließ sich neben das berühmte Merkel-Bild mit dem tief ausgeschnittenen Dekolleté montieren, das die Kanzlerin vergangenes Jahr zu einer Opernpremiere trug. Lengsfeld selbst trägt ein ähnlich freizügiges Dekolleté, darunter der Spruch: "Wir haben mehr zu bieten." - Stefan Frank -
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KONKRET Text 50
KONKRET Text 49
Literatur Konkret Nr. 34
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