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Certain Women

07.03.2017 10:43

Regie: Kelly Reichardt; mit Michelle Williams, Kristen Stewart; USA 2016 (Peripher); 107 Minuten; ab 2. März im Kino

 

Eine schöne Ambiguität, die Kelly Reichardt in den Titel ihres neuen Films eingebaut hat. Ob »Certain Women« nun von »(selbst)sicheren« oder von »gewissen« Frauen handelt, bleibt zunächst offen – vielleicht sogar bis zum Schluss: Erzählt Reichardt von verschiedenen »Frauentypen« des amerikanischen Hinterlands, oder bezieht sie sich tatsächlich auf deren »certainty«, also Bestimmtheit?

Alle drei Episoden spielen im winterlichen Montana und sind geprägt von der meditativen Stimmung, die man als Reichardts Handschrift bezeichnen kann. Visuell werden die narrativen Einzelteile von den gemäldeartigen Bildern des Kameramanns Christopher Blauvelt zusammengehalten, mit dem Reichhardt seit »Meek’s Cutoff« arbeitet. Inhaltlich aber schlagen die auf Maile Meloys Kurzgeschichten beruhenden Episoden unterschiedliche Töne an.

Der erste Erzählstrang, in dessen Mittelpunkt die wie immer grandiose Laura Dern steht, knüpft mit seinen zarten Thriller-Elementen an Reichardts Vorgängerfilm, das Ökoterroristendrama »Night Moves«, an. Dern spielt die Anwältin Laura, die ein verzweifelter Klient als Geisel nimmt. Im Gegensatz zu »Night Moves« hat die Regisseurin das Tempo hier zwar deutlich reduziert, offenbar hat sie aber Gefallen am inszenatorischen Aufbau von Spannung gefunden.

Laura hat eine Affäre mit Ryan, dem Ehemann der Protagonistin des eher spröden zweiten Abschnitts: Gina (Reichardts Muse Michelle Williams). Ryan und Gina versuchen, einen alten Nachbarn zu überreden, ihnen wertvolle Sandsteine für das künftige Familienanwesen abzutreten. Zwischen den Eheleuten und ihrer pubertierenden Tochter herrscht dabei geradezu eisige Stimmung.

Am meisten überzeugt die melancholische letzte Episode. Sie erzählt von einer zurückgezogenen indigenen Pferdezüchterin, die sich in die Leiterin ihres Abendschulkurses verliebt. Nicht nur ist die mit kleinsten Gesten vermittelte Beziehung zwischen den Frauen eine Meisterleistung der Schauspielerinnen Lily Gladstone und Kristen Stewart; Reichardt verdichtet hier zudem die rurale Leere, die prekären Arbeitsverhältnisse und inhärente Einsamkeit, wie es im US-Kino nur ganz wenige Filmemacher/innen vermögen.

Tim Lindemann

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