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Der Stern von Indien

10.08.2017 12:17

Regie: Gurinder Chadha; mit Hugh Bonneville, Gillian Anderson; Großbritannien/Indien 2017 (Tobis); 106 Minuten; ab 10. August im Kino

»Geschichte wird von den Siegern geschrieben «, hebt dieser Film über die Teilung Indiens an. Was folgt, ist der Versuch, dem Versprechen einer anderen Geschichtsschreibung gerecht zu werden. Gurinder Chadha, Regisseurin so schöner Filme wie »Bend it like Beckham«, erzählt, dass die Teilung nicht aus Indiens ethnischer und religiöser Vielfalt resultierte, sondern das Ergebnis einer bewussten Politik des »Teile und herrsche« war. Nur indem sie einen Keil zwischen Hindus, Sikhs und Moslems trieb, konnte die britische Kolonialmacht den Subkontinent beherrschen. Als sie das Land in die Unabhängigkeit entlassen musste, bestand sie auf dessen Teilung, die ein Chaos hinterließ, von dem es sich nicht so schnell erholen sollte. Archibald Wavell, der vorletzte indische Vizekönig, arbeitete den Teilungsplan, der später nach seinem Nachfolger Mountbatten- Plan heißen sollte, nur widerwillig aus: Er wusste um die Folgen.

So weit, so richtig. Nur wählt Chadha eine Ästhetik, die den Pomp, mit dem sich die Briten ihrer Überlegenheit und Legitimität versicherten, reproduziert. Arrangements aus funkelndem Tafelsilber, adretten Uniformen und farbenfrohen Livreen bezeugen eine Nostalgie für das britische Empire und sein Klassensystem. »Downton Abbey« goes India – im Mittelpunkt dieser folkloristischen Upstairs-downstairs-Geschichte steht Hugh Bonneville, der als Mountbatten den aufrechten Aristokraten geben darf. An seiner Seite Lady Edwina, in Wirklichkeit ein heißer Feger, die hier als treuliebende Gattin mit peinlichsten Kalendersprüchen auftreten muss: »Nehru hat dir etwas sehr Kostbares angeboten: Freundschaft.« Wenn sich die Familie nicht gerade mit großherzigen Gesten gegenüber dem indischen Personal aufhält, arbeitet der Lord, denn: »Es gibt viel zu tun.« Nicht zuletzt, um seine törichten indischen Schutzbefohlenen vor sich selbst zu schützen. Und wer dankt es ihm? Das Personal macht sich einen Lenz, und böse Briten hintergehen ihn nach Strich und Faden.

Auch diese Geschichte schreiben also die Sieger: Die Teilung Indiens erscheint als Kampf zwischen guten und bösen Briten, an dem Inder nicht beteiligt sind und auch nicht beteiligt werden müssen. So ist das Maximum an Revolte, zu dem der indische Dienstbote fähig ist, das schmerzvolle Eingeständnis: »Ich kann Ihnen nicht mehr dienen.«

Fritzi Busch

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