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Detroit

29.11.2017 15:10

Regie: Kathryn Bigelow; mit Algee Smith, Will Poulter; USA 2017 (Concorde); 143 Minuten; seit 23. November im Kino

Achtung, es dauert. Zum einen natürlich der Film selbst. Der liegt mit seinen 143 Minuten fast im Bereich des Indiskutablen, und es gibt durchaus Regisseure, die man bei einer solchen Länge wegen Publikumsfolter vor Gericht stellen müsste. Kathryn Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal allerdings haben schon bei »Zero Dark Thirty« bewiesen, dass sie ihr Handwerk mehr als verstehen und jede einzelne Minute eines Epos füllen können. Bis die Geschichte bei »Detroit« aber richtig beginnt und die Zuschauer mit Haut und Haaren verschlingt, passiert etwas, das man böswillig als Kunstkacke, gutwillig als atmosphärisches Cinéma vérité bezeichnen könnte.
Mit kurzen, chaotischen Szenen, vieles davon nachgespielt, ein kleiner Teil authentisches Filmmaterial, führt uns der Thriller ins Jahr 1967, als nach einer Polizeirazzia die »Detroit riots« ausbrachen. Damals rebellierten Teile der afroamerikanischen Bevölkerung  gegen rassistische Polizeigewalt.
Bigelow und Boal fokussieren sich im Anschluss auf ein ganz konkretes Kapitel der Kämpfe zwischen Bürgern auf der einen, Polizei und Nationalgarde auf der anderen Seite. Beim »Algiers Motel incident« in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli kamen drei harmlose afroamerikanische Teenager ums Leben – durch die Polizei. Die Einsatztruppen misshandelten und demütigten zudem weitere Motelbewohner, darunter zwei weiße junge Frauen.     
»Detroit« erzählt die Geschehnisse in aller nötigen Ausführlichkeit – von der fast schon romantischen Vorgeschichte bis zum niederschmetternden Gerichtsprozess. Viele der damals Beteiligten hat das Filmteam im Vorfeld befragt. Die Figuren der Polizisten sind fiktiv, basieren in ihrem Handeln jedoch auf den Inhalten der Zeugenaussagen. Durch diesen Kunstgriff driftet der Film nicht ins Reich der Phantasie ab, kann aber eindeutig Stellung beziehen.
Die stärksten Szenen legen den sadistischen, autoritären Charakter der Rassisten  gnadenlos offen. Beim Dreh brach Darsteller Will Poulter nicht ohne Grund einmal in Tränen aus. Was der von ihm gespielte Officer mit seinen Kollegen und den ausgelieferten Motelgästen treibt, hat nichts mit der gewollt coolen Cop-Action des US-Kinos gemein. Sie erinnert an das Gebaren der Verfügenden im KZ.

Katrin Hildebrand

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