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Die göttliche Ordnung

03.08.2017 11:07

Regie: Petra Volpe; mit Marie Leuenberger, Max Simonischek; Schweiz 2016; 97 Minuten (Alamode); ab 3. August im Kino

Die »göttliche Ordnung« – in etwa in der Reihenfolge: Mann, Tier, Frau – hält in der Schweiz nun schon eine ganze Weile. Es ist Anfang der Siebziger, die brave junge Mutter Nora verbringt den Tag mit Windelnwechseln und Wäscheaufhängen, während ihr Mann im Sägewerk Karriere macht. Emanzipation sei ein Fluch, Sünde gegen die Natur – gegen die Ordnungsverhältnisse, wie sie der Herr installiert hat: Das predigt ausgerechnet die Besitzerin der Sägemühle, deren Hinterhof aus dem Rest des stillen Bergtals besteht, in dem Nora lebt.

Aber die Ausläufer der 68er machen auch vor den Bergdörfern nicht halt, vor der Tür steht das Frauenwahlrecht. Und während zum Beispiel die deutschen Frauen schon seit 1919 wählen gehen, sollen die Männer in der Schweiz, gedrängt von Frauenwahlvereinen, 1971 darüber abstimmen, ob sie ihren Frauen gestatten, zumindest an der Urne über sich selbst zu bestimmen.

Dass diesbezügliche Debatten bis in die Ehebetten geführt werden, versteht sich von selbst – Gebrüll und Schläge inklusive. Auch in Noras Umfeld – sie wappnet sich dagegen, indem sie sich in feministische Literatur versenkt, die biederen Klamotten gegen Jeans eintauscht. Als sie wieder anfangen möchte zu arbeiten, verweigert ihr Mann ihr seine Zustimmung – laut Ehegesetz ist die Frau dazu verpflichtet, sich um den Haushalt zu kümmern.

Aber die soziale Umwälzung ist zu mächtig, als dass ein paar Bauern sie aufhalten könnten. Geeignete Mitstreiterinnen stellen sich alsbald ein. Aktionen auch: Häuser werden besetzt, Demos veranstaltet, Orgasmusworkshops besucht.

Das Wahlrecht wird zur Herzenssache. Und die Abstimmung darüber leitet hin zu den aktuellen sozialen Fragen: wie Arbeit und Familie vereinbaren? Welche Haltung ist die richtige, wenn es um Sexualität geht? Die Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz stellt hier den Rahmen bereit für eine ganze Reihe von kleinen und größeren Entwicklungen, die die Figuren durchmachen. Regisseurin Petra Volpe ist dafür bekannt, Publikumserfolge zu produzieren. Sie hat eine klare Absicht, die Stoffe haben oft mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Ihre Filme haben gute Skripte, die Schauspieler wissen, was sie tun.

Wenn einer auf Formalien wert legt: Dieser schöne Film sollte den Auslands-Oscar kriegen.

Jürgen Kiontke

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