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Es war einmal in Deutschland

04.04.2017 12:04

Regie: Sam Garbarski; mit Moritz Bleibtreu, Antje Traue; Deutschland 2017 (X Verleih, Warner Bros.); 101 Minuten, seit 6. April im Kino

 

»Hitler ist tot. Aber wir leben noch!«, erklärt David (Moritz Bleibtreu) seinen jüdischen Kumpanen mit bedeutungsschwerer Miene, bevor er seinen Plan erläutert, das einst prunkvolle Kurzwarengeschäft seiner Eltern durch Schwarzhandel wieder aufblühen zu lassen. Und so ziehen die versprengten Shoah-Überlebenden, die unmittelbar nach Kriegsende in einem UNRA-Flüchtlingscamp zusammenfinden, von Tür zu Tür, um pausbackigen deutschen Hausfrauen Bettwäsche und Tischtücher anzudrehen. Das wirkt schelmisch wie bei Jungen, die Streiche spielen. Zu harmlos, wenngleich sich die Jungs schon ein paar Fragen stellen: Sollte man mit dem verdienten Geld im Täterland bleiben? Oder lieber schnell rübermachen nach Amerika?

Die Kernstory ist jedoch viel ungeheuerlicher. Denn David muss sich regelmäßig davonstehlen, um sich von der schönen US-amerikanischen Befreierin Special Agent Sara Simon (Antje Traue) verhören zu lassen. Mit bohrenden Fragen versucht sie in aufreizender Pose (ja, die beiden landen später im Heu!), lasziv den Bleistift im Mundwinkel, herauszufinden, wieso David zwei Pässe hatte und aus dem KZ fliehen konnte. So wird ihr David von dem »guten KZ-Aufseher« erzählen, der Gefallen an seiner Chuzpe fand und ihn deshalb rettete und auf den Obersalzberg schickte, um Hitler Witze beizubringen. Die Rolle des KZ-Aufsehers, gespielt vom grünen Parteipräsidenten Luxemburgs, Christian Kmiotek, einem grobschlächtigen Kerl, der aus allen Nähten seiner SS-Uniform platzt und in Onkel-Asselborn-Manier Moselfränkisch spricht, nimmt man dem gutmütigen Luxemburger partout nicht ab. Noch grotesker die Szene, wie Bleibtreu in Lederhosen auf dem Obersalzberg (Postkartenmotiv!) einem Zimmermädchen Hitlers lüstern ins Dekolleté glotzt, um sich dann aus dem Staub zu machen. Eine deutsche Komödie.

Sam Gabarskis Verfilmung von Michel Bergmanns Bestseller-Trilogie Die Teilacher bringt einen dank jiddischem Wortwitz hin und wieder zum Schmunzeln. Stereotype können auch lustig sein, sollten dann aber nicht im Stile eines ZDF-Vorabendserienformats präsentiert werden: Kaum sind Juden dem Tode entronnen, treiben sie wieder erfolgreich Handel.

Im Lokal werden die Teilacher dann mit Sekt und schönen Frauen auf das Leben anstoßen: »Le chaim!« Es wirkt aufgesetzt, wenn die Männerclique mit Baseballschlägern auf ein Auto einhämmert und dabei jubelnd ruft: »Wir sind die jüdische Rache!« Da sehnt man sich nach Quentin Tarantinos Bärenjuden aus »Inglourious Basterds«. »Es war einmal in Deutschland« fügt sich als munterer Jungenstreich der Überlebenden in die Serie filmisch und inhaltlich belangloser NS-Thematisierungen im Sinne zahlreicher »Spiegel«-Titel ein.

 

Anina Valle Thiele

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