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Spot on: Erhobenen Hauptes – (Über)Leben im Kibbuz Ma'abaroth

05.02.2014 11:36

Regie: Docview; ca. 90 Minuten; Vorführtermine im Februar 2014 unter www.docview.org

„Das Bewußtsein, zur letzten Generation zu gehören, die noch selbst mit Verfolgten des Nationalsozialismus sprechen kann“, veranlaßte Docview, eine Gruppe Frankfurter Studierender, ins nahe Tel Aviv gelegene Kibbuz Ma'abaroth zu reisen und ihre Gespräche mit den Menschen, die dort überlebt haben, zu dokumentieren. Das seit 1933 bestehende Kibbuz arbeitete eng mit der Aliyah-Jugendbewegung zusammen, die so viele jüdische Kinder wie möglich vor dem Tod in den Gaskammern bewahren wollte. Die ersten geretteten Kinder erreichten Palästina 1939, und der Film erzählt ihre Geschichten.

Es sind Geschichten, die alle ähnlich beginnen: von in den zwanziger Jahren geborenen Kindern, deren Eltern sich als (mal mehr, mal weniger religiöse) deutsche Juden begriffen, von Träumen, Freundschaften und Spielen auf den Straßen Berlins oder auf den Höfen der pfälzischen Provinz. Die Kindheit endete allzu abrupt, spätestens mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft und der politischen und gesellschaftlichen Legitimation des deutschen Antisemitismus 1933.

Die einstigen Freunde, mit denen man sich eben noch zum Spielen getroffen hatte, trugen von da an die Uniformen von HJ und BdM und verteilten Schläge auf dem Pausenhof. Jede Erzählung vermittelt das schmerzhaft erlernte Bewußtsein, als andersartig stigmatisiert zu sein, obwohl die Kinder viel zu jung waren, um den eliminatorischen Antisemitismus Deutschlands verstehen zu können.

Im Film ist niemand zu sehen, der Fragen stellt, niemand spricht außer den Überlebenden selbst. So ist man auch als deutsche Betrachterin mit Recht in die Rolle derjenigen zurückgeworfen, die in bezug auf Israel gefälligst die Schnauze zu halten hat.

Kibbuzim sind dokumentarisch noch wenig ausgeleuchtet, und dem Film gelingt es außerordentlich gut, diese Lücke zu schließen. Das Kibbuz gab den meist verwaisten Protagonistinnen die Möglichkeit, die allzu früh beendete Kindheit soweit wie möglich fortzuführen. Sie erzählen, wie man sich selbst organisierte, arbeitete, lernte, zusammen lebte - und zwar bis heute.

In jeder einzelnen Szene schwingt die Trauer um den Verlust der Eltern und der Familie mit; die Hinterbliebenen zeigen Fotos und Zeugnisse, die sie akribisch gesammelt und aufbewahrt haben. Der Film dokumentiert das Alltagsleben im Kibbuz mit seinen Kindergärten, Schulen und Freizeitmöglichkeiten und umschreibt so die Hoffnung, daß es die Bewohnerinnen und Bewohner schaffen werden, zumindest den Kindern und Enkeln der Überlebenden die Normalität einer Familie, einer Kindheit ohne Angst zu ermöglichen. „Das Zuhause der Kinder hier sind die Eltern“, sagt ein Überlebender. „Das ist der Unterschied.“

Veronika Kracher

Erhobenen Hauptes - Trailer from Projektgruppe DocView on Vimeo.

Bestätigte Vorführ-Termine:

Mi. 05.02.2014, Dresden, AZ Conni (20:00 Uhr)

Do. 06.02.2014, Bremen, Infoladen, St. Pauli-Straße 10-12 (19:00 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)

Di. 11.02.2014, Gießen, Justus-Liebig-Universität, Philosophikum I, Otto-Behaghel-Str. 10, Raum G333 (20 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)

Do. 13.02.2014, Darmstadt, Offenes Haus des evangelischen Dekanats (19:30 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)

Mi. 26.02.2014, Gießen, Jugendzentrum Jokus, Ostanlage 25a (18:30 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)

Do. 13.03.2014, Gießen, Jugendzentrum Jokus, Ostanlage 25a (18:30 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)

Fr. 04.04.2014, Frankfurt, Dritte Welt Haus, Stadtteilbüro Bockenheim, Leipziger Str. 9 (19:30 Uhr, anschließendes Filmgespräch mit Vertreter*innen der Projektgruppe)


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