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The Birth of a Nation

12.04.2017 13:06

Aufstand zur Freiheit Regie: Nate Parker; mit Nate Parker, Armie Hammer; USA 2016 (Fox); 120 Minuten; seit 13. April im Kino

 

Nate Parkers Historiendrama, das auf dem Sundance Festival mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, hat wenig mit zartem amerikanischen Arthouse-Kino gemein, dafür umso mehr mit Mel Gibsons schottischem Schlachtenepos »Braveheart«. Gibson wie Parker standen in ihren Filmen sowohl als Drehbuchautoren und Regisseure hinter der Kamera als auch als Hauptdarsteller davor. Hier wie dort inszenieren die Regisseure ihre Figuren mit heiligem Zorn als tiefgläubige Helden, deren bluttriefende Verzweiflungstaten der guten Sache dienen. Nach Subtilität sucht man vergebens.

Parker verkörpert Nat Turner, einen schwarzen Sklaven und Prediger, der 1831 einen brutalen Aufstand gegen die weißen Sklavenhalter anzettelte. Die Rebellion scheiterte, ihr Anführer wurde gehängt, aber setzte ein Zeichen: Turner wurde in den sechziger Jahren zu einer Symbolfigur der Black-Power- Bewegung, sein rebellisches Andenken blieb erhalten. Im Kontext der aktuellen rassistischen Gewalttaten in den USA sowie der Black-Lives-Matter-Bewegung wäre eine innovative Auseinandersetzung mit historischen antiautoritären Widerständen durchaus produktiv gewesen. Doch Parker setzt lieber auf höchstmögliche Emotionalisierung des Themas und ausgewälzte Gewaltdarstellungen. Vermutlich glaubt er, mit der Aneignung des Titels von D. W. Griffith’ bigottem Filmklassiker von 1915 bereits seine kulturkritische Arbeit getan zu haben.

Der käsige Schnulzensoundtrack, die Seifenoperdialoge und die seichte Romanze als Nebenstory, kombiniert mit der großen Geste eines bierernsten Sklaverei-Epos, sorgen für ein nahezu unerträglich peinliches Kinoerlebnis. Parker inszeniert sich selbst in allen klassischen Szenen des Genres – Auspeitschung, Demütigung, Baumwollernte –, aber er liefert damit weniger einen beißenden politischen Kommentar, als er das ungute Gefühl auslöst, hier breche sich vor allem die märtyrerhafte Hybris des Filmemachers Bahn.

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Parker, die in den USA gar für Boykottaufrufe sorgten, machen einem dieses selbstgefällige Filmprojekt nicht sympathischer. Aber ob man Künstler und Kunstwerk nun trennen mag oder nicht: »The Birth of a Nation« ist ein fürchterlich banaler Film.

 

Tim Lindemann

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