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The Square

27.10.2017 12:18

Regie: Ruben Östlund; mit Claes Bang, Elisabeth Moss; Schweden / Deutschland u. a. 2017 (Alamode); 144 Minuten; seit 19. Oktober im Kino

So, so, das ist also der Gewinner von Cannes. Zugegeben: Von Festivals sollte man nicht viel erwarten. Mal ist das Kinojahr schwach, und oft einigen sich Jurymitglieder nach ellenlangen Debatten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Regisseur Ruben Östlund hat schon vor drei Jahren mit »Höhere Gewalt« Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Idee an sich war gut, aber irgendwann war sie auserzählt, und es kam nichts nach. Ähnliches gilt nun für seine neue Arbeit. Das erste Drittel der Gesellschaftssatire überzeugt. Mit exquisit durchdachten Bildern, die selbst in einer Galerie landen könnten, tauchen wir ein in die Welt der modernen Kunst. In einem Stockholmer Museum bereitet Kurator Christian eine Schau namens »The Square« vor. Darin soll es um Vertrauen und irgendeinen anderen Schmarrn gehen, der sich vor klaren politischen Aussagen und materiellen Bezügen drückt. Dummerweise aber durchkreuzen ein gestohlenes Handy und eine Medienkampagne zur Ausstellung den Erfolg.

Östlund präsentiert dem Zuschauer ein Typenkabinett, das die Charaktermasken, die diese Gesellschaft hervorbringt, mit schwedischer Gelassenheit entlarvt. Auch deckt er einige Absurditäten des Kunstmarkts auf sowie die Widersprüche menschlichen Handelns und Denkens. Das macht eine Zeitlang Spaß. Doch spätestens nach einer Stunde hat der dümmste Zuschauer das Prinzip verstanden und verlangt inhaltlich mehr. Aber da kommt nichts in den folgenden schier unendlichen 84 Minuten. Das Drehbuch tritt auf der Stelle, die Dialoge und Szenen bleiben statisch, und jegliches Timing fehlt. Christian stolpert von einer konstruierten Begegnung in die nächste, und man fragt sich, ob Östlund seine Hauptfigur – und den Zuschauer – so quält, weil er meint, einen neuen Untertan oder Mephisto erschaffen zu haben.

Doch so unmenschlich ist dieser Christian gar nicht. Er ist ein normaler erfolgreicher Arbeitnehmer im Spätkapitalismus. Dessen wahre Strukturen offenzulegen, das wär’s gewesen. So aber verliert sich »The Square« in protestantischer Selbstkasteiung, Moralaposteleien und entpuppt sich als kreuzbürgerlicher Versuch, der Gesellschaft den vielzitierten Spiegel vorzuhalten, ohne sich darüber im klaren zu sein, was diese darin eigentlich sehen soll.

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