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Respekt und Anerkennung

Wenn für die Betrachtung von vier Wochen Weltgeschichte nur 64 Seiten zur Verfügung stehen, kommt manches zu kurz. In diesem Heft sind es die zwei Hauptaufreger des Monats, ein Manko, dem hier in wenigen Zeilen abgeholfen sei:

Im ersten Fall haben S. Exzellenz der Herr Innenminister de Maizière geruht, auch einmal dem Grundgesetz einen kleinen Tribut zu zollen und Bundestagsabgeordnete der Linkspartei nicht mehr beim Verfassungsbruch beobachten zu lassen. Der auf Augenhöhe bedachte Fraktionschef der Partei, Gregor Gysi, würdigte die Entscheidung des kurzen, aber hohen Herrn als »Ausdruck einer gestiegenen Akzeptanz« und freute sich wie ein Schneekönig: »Das macht uns gleichberechtigter.«

Was lernt uns das, Genossen? hätte Walter Ulbricht gefragt. Es erinnert uns daran, daß es der SED/PDS/Linkspartei seit dem Sturz ihres ersten Generalsekretärs auf nichts so sehr ankam und ankömmt als auf Anerkennung durch den Klassenfeind, international und national, völkerrechtlich und völkisch. Dem Streben nach Anerkennung als etwas Gleicherer hat die SED schließlich die DDR geopfert. Daß die Abschaffung offiziell dem Wirken der Kunstgewerbler Biermann und Bohley zugeschrieben wird, ist schon darum falsch, weil die gar nicht im Politbüro saßen.

Im zweiten Fall haben alle dem Ulrich Hoeneß für seine Bereitschaft, das Urteil anzuerkennen, das er mit dem Münchner Landgericht ausgehandelt hat, Respekt bekundet. »Die Tatsache, daß Uli Hoeneß jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab«, sagte Angela Merkel, »Respekt« repetierte Oppositionsführer Gregor Gysi – ohne Rücksicht auf die allzu naheliegende Vermutung, Hoeneß habe durch den Verzicht auf Revision das Urteil schnell rechtswirksam machen wollen, um sich vor den juristischen Folgen weiterer Vergehen, die in den Monaten bis zur Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof herauszukommen drohten, in Sicherheit zu bringen. Zu seinem Glück verzichtete auch die Staatsanwaltschaft auf die Anrufung des BGH. Sie war an die Weisung der CSU-Regierung gebunden. Respekt, Respekt.

Ein deutlicheres Wort als der blöde Steuerbetrug verdient der faschistische Appell »Ich bin kein Sozialschmarotzer«, mit dem Hoeneß vor Gericht Menschen verächtlich machte, die von Hartz IV leben. Gegen die haben die für die »Jobcenter« tätigen Sadisten im letzten Jahr mehr als eine Million Strafen verhängt, ohne daß die Merkel oder der Gysi Respekt für deren Hinnahme bekundet hätten. Stellten Autoren dieser Zeitschrift die Jury, hätten sie für den Sozialschmarotzer die Höchststrafe ausgesprochen, die Horst Tomayer vorgeschlagen hat: »Entweder in die Brennesseln schubsen oder an die Wand stellen und ihn dann dort stehen lassen.«

– Michael Schilling –

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