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Bayern ohne Kurier

Florian Sendtner über das Ende des CSU-Propagandaorgans

Es ist wie immer der Versuch, Deutschland zu ›entkernen‹ und einen Mischmaschbrei als alleinseligmachend zu verkaufen. Was war passiert, dass der Kommentator des »Bayernkurier« im Mai 2017 so drastisch werden musste? Aydan Özoguz hatte behauptet, »eine spezifisch deutsche Kultur« sei »jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar«, und hatte damit dem Fass den Boden ausgeschlagen. Gebürtige Hamburgerin, Türkin, SPD-Politikerin, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin – als ob das nicht Provokation genug wäre! Aber dann noch das: diese »Herabwürdigung unseres Landes«, die »alles Ausländische für gut und richtig erklärt« und »alles Deutsche für kleingeistig und schlecht«! Trutzig hielt der »Bayernkurier« der türkischen Übermacht stand: »Ja, man darf ruhig wieder stolz sein, ein Deutscher zu sein!« Es war für Alexander Gauland nicht einfach, den »Bayernkurier« rechts zu überholen; er schaffte es knapp, indem er vorschlug, Özoguz »in Anatolien zu entsorgen«. Die Türkengefahr war vorerst gebannt.

Doch jetzt fällt die letzte Bastion, wird Bayern publizistisch entkernt: Der »Bayernkurier« segnet das Zeitliche. Die CSU-Parteizeitung, 1950 als Wochenzeitung gegründet, transportierte jahrzehntelang verlässlich die Reflexionen des Genossen Franz Josef (mitgeteilt durch sein Medium Wilfried Scharnagl), bis sie 2015 zur Hochglanzmonatszeitschrift mutierte, in der die Segnungen des CSU-Staats vor allem optisch vorgeführt wurden. Da präsentiert ein Rudel Bierköniginnen, zweckmäßig von oben fotografiert, seine Dirndldekolletés und blickt artig zum Betrachter auf; da verspricht eine Überschrift einen Blick auf »2.000 Jahre bayerische Geschichte« und zeigt dazu eine bronzene Büste des Mannes, der diese 2.000 Jahre geprägt hat wie kein anderer: der große Staats-, Flugzeug- und Bierzeltmassenlenker, Atom-, Finanz-, Kriegs- und Korruptionsminister, der Generalsekretär, Ministerpräsident und Bundeskanzler der Herzen, der Große Vorsitzende Franz Josef Strauß.

Es ist ein letztes Aufbäumen. Zumindest als Printausgabe soll der »Bayernkurier « eingestellt werden. CSU-Generalsekretär Markus Blume erklärte dem »Spiegel«, es sei Zeit, »den Schalter umzulegen « und sich mehr »auf Youtube und andere Kanäle« zu verlegen. Die Reflexionen der Genossen Horst und Markus also demnächst als Videobotschaft mit Baseballkappe. Und die patriotische Selbstverteidigung gegen die Türkisierung des deutschen Vaterlands verstärkt auf Facebook & Co. Wie drohte Seehofer zuletzt: »Man muss vor allem den Volksverführern die Munition aus der Hand nehmen.« Und sie selber verschießen.

Florian Sendtner

 

 

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